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Ohne Worte (Folge 4)

05.05.08 (Kurzgeschichten)

Was vorher geschah

Stand der in dem Artikel, den er nur überflogen hatte?

Mit mäßigem Tempo näherte er sich den parkenden Autos. Unter keinen Umständen durfte er auffallen. Aber Vorsicht war nicht von Nöten, das Jagdfieber hatte alle erfasst.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen.

Unbemerkt konnte er sich mit seinen Fangutensilien in den Wald schleichen. Hoffentlich hatten sich seine Lieblinge nicht zu weit von der Stelle entfernt, an der er sie ausgesetzt hatte! Dann hatte er eine Chance, sie vor allen anderen zu finden.

Jonathan plante, die Lichtung von der anderen Seite zu erreichen. Stimmen drangen an sein Ohr. Die Jäger waren nicht weit. Er musste sich beeilen, schließlich ging es hier um Leben oder Tod.

Plötzlich hielt er inne. Beinahe hätte er das Kunstwerk einer Labyrinthspinne zerstört. Im letzten Moment konnte er ausweichen. Unverzeihlich, wenn das Netz seiner Unaufmerksamkeit zum Opfer gefallen wäre.

Hastig stolperte er durchs Unterholz. Er riss die Augen auf und ließ seinen Blick nicht vom Boden. Er keuchte, bekam kaum Luft. Soviel körperliche Anspannung kam ungewohnt. Plötzlich riss es ihm die Beine weg. Er hatte einen winzigen Baumstumpf übersehen. Wie lange er so gelegen hatte, vermochte er nicht einzuschätzen. Als er seinen Kopf hob, erblickte er Amalie.

„Amalie”, er lächelte. Trockenes Moos und ein paar Kiefernnadeln krümelten von seinem Gesicht. Jonathan hätte Amalie unter tausend Spinnen herausgefunden. Ihr fehlte das vordere Glied des ersten rechten Beines. Er hatte es ihr bei seinen Säuberungsarbeiten abgeklemmt und erst bemerkt, als sie sich tagelang nicht von der Stelle bewegte. Seitdem schien ihr Verhältnis zueinander gestört. Manchmal wurde er das Gefühl nicht los, dass sie ihn hasserfüllt anstarrte. Blödsinn, redete er sich ein, sie konnte die Zusammenhänge in ihrem Hirn nicht herstellen. Aber wer will beurteilen, was in einem so winzigen Spinnenhirn vor sich geht? Jedenfalls behandelte er sie noch sorgfältiger, noch liebevoller. Ein winziges Stück von ihrem Bein! Sie konnte den Verlust locker verschmerzen! In ihrer Heimat wäre sie vielleicht Opfer der gefürchteten Wespe geworden, aber er, er bot ihr ein ruhiges, friedliches Leben.

Trotzdem, jeder Blick in ihr Terrarium peinigte sein Gewissen. Wegen ihres gespannten Verhältnisses, und um nicht ständig an seinen verhängnisvollen Fehler erinnert zu werden, hatte er sich entschlossen, Amalie in die Freiheit zu entlassenFortsetzung morgen