01.06.08 (Kurzgeschichten)
Was vorher geschah
Marie hatte Isabell Wittler selbst bei dieser Beleuchtung sofort erkannt. Heinz Wittler hatte sie vor einigen Wochen beauftragt, Fotos von seiner Frau und ihrem Liebhaber Stefan zu schießen. Sie hatte viel Zeit darauf verwenden müssen, um die beiden zu ertappen. Im Parkhaus an der Ecke wurde sie endlich fündig. Prima Fotos, wie sich nach dem Entwickeln herausstellte. Als ihr Auftraggeber die Bilder begutachtete, lachte er. Er hatte so sehr gelacht, dass Marie um seinen Verstand fürchtete.
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29.05.08 (Kurzgeschichten)
Es war nicht zu übersehen. Marie Brandt war klein und pummelig. Ihre fünfundzwanzig Lenze versteckte sie hinter einem blassen Gesicht mit wasserblauen Kinderaugen. Sie tat einen Job, den sie besser nicht tun sollte. Nicht mal reich konnte man damit werden, aber letztendlich hatte sie ihn gewollt.
Ihr Vater, lebte er noch, hätte seinen ergrauten Kopf geschüttelt und gesagt: „Mädele, du übernimmst dich. Kein Privatdetektiv sieht aus wie du. Jeder miese Ladendieb würde sich kranklachen. Du kannst dich auf deinen zugegeben klugen Kopf stellen, aber das ist ein Job für knallharte Männer.”
„Blödsinn, Papa, es geht auch anders”, hätte sie ihm geantwortet, und davon war sie überzeugt. Schließlich hatte sie sich nicht umsonst jahrelang an der Universität mit Kriminalistik rumgeplagt.
Dass sie allerdings jemals den Job ihres Vaters übernehmen würde, war nicht geplant. Aber wie vieles im Leben, kam auch das anders.
Bei einer rasanten Verfolgungsjagd durchbrach das Auto ihres Vaters die Leitplanken und stürzte in einen Abgrund. Jede Hilfe kam zu spät. Wie sich herausstellte, war sein Auto manipuliert. Sie hatte ihren Vater sehr geliebt, und die Entscheidung, sein Lebenswerk weiterzuführen, schien ihr selbstverständlich.
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25.05.08 (Kurzgeschichten)
Ich war 21, lebte in einer komfortablen Wohnung mit allem Schnickschnack, verdiente in einer kleinen Firma gutes Geld und war mit meinem Leben sehr zu frieden. Mein Aussehen ist das einer typischen Durchschnittsfrau ohne Traummaße, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich war solo und mit diesem Zustand einverstanden.
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14.05.08 (Kurzgeschichten)
„He, Gabi, wie geht es dir?” Aufgeregt fuchtelte jemand auf der anderen Straßenseite mit den Armen. Meine Freundin Gitti hatte mich entdeckt und brüllte gegen den Großstadtverkehr an.
Musste sie mir gerade heute begegnen? Gitti ließ sich nie abschütteln. Ich war nicht in Stimmung, ihren Redeschwall auf mich nieder prasseln zu lassen. Eine Sommergrippe traktierte mich, und ich war stockheiser.
Aber unserer langen Freundschaft zu liebe, konnte ich nicht so tun, als habe ich sie nicht bemerkt.
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06.05.08 (Kurzgeschichten)
Was vorher geschah
In Bruchteilen einer Sekunde war ihm das alles durch den Kopf geschossen. Im selben Moment bemerkte er, dass es ihm nicht möglich war aufzustehen. Sein Körper schien mit Blei gefüllt und ließ sich keinen Zentimeter bewegen.
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05.05.08 (Kurzgeschichten)
Was vorher geschah
Stand der in dem Artikel, den er nur überflogen hatte?
Mit mäßigem Tempo näherte er sich den parkenden Autos. Unter keinen Umständen durfte er auffallen. Aber Vorsicht war nicht von Nöten, das Jagdfieber hatte alle erfasst.
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04.05.08 (Kurzgeschichten)
Was vorher geschah
… stürzte er den letzten Schluck Kaffee in sich hinein. Die beiden Falten über der Nasenwurzel hatten sich tiefer als gewöhnlich in seine Stirn gegraben und gaben ihm das Aussehen eines knurrigen, alten Schuldirektors.
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03.05.08 (Kurzgeschichten)
Was vorher geschah
Kaffee tropfte auf seine graue Flanellhose. In seinem Gehirn klickerte es. Vorgestern hatte er zehn Vogelspinnen die Freiheit geschenkt.
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02.05.08 (Kurzgeschichten)
Alle kannten Jonathan Bille. Jeder wusste, er ist ein extrem langweiliger, pingelig pünktlicher Mensch. Nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Niemand ahnte, dass er einer Leidenschaft frönte, die manchem Mitbürger eine Gänsehaut über den Rücken gejagt hätte. Aber da er niemanden in seine Wohnung einlud, konnte niemand davon berichten. Und Bille schwieg.
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01.05.08 (Kurzgeschichten)
Nach einer wahren Begebenheit
Froh über das Ende seiner Reise, stieg Lothar Bartel aus dem Linienbus. Neugierig schaute er sich um. Ein rostiger Papierkorb neben einer Bank, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, begrüßte ihn. Die Dorfstraße mit ihrem holprigen Katzenköpfen schlängelte sich durch eine Allee alter Linden. Erbarmungslos brannte die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Es war viel zu heiß für diese Jahreszeit.
Der Ort schien menschenleer. Die Zeit war stehen geblieben. Eine schwarze Katze döste auf der Feldsteinmauer vor der Kirche. Die Häuser duckten sich unter der Hitze. Wäre da nicht das junge, hoffnungsvolle Grün der Linden gewesen. . .
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