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	<title>Katzensolo &#187; Kurzgeschichten</title>
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	<description>Plauderei zwischen gestern und morgen</description>
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		<title>Katzen (Schluss)</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 10:16:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[geheimnisvoll]]></category>
		<category><![CDATA[Hexen]]></category>
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		<description><![CDATA[Was vorher geschah
Ruckartig erhob sich Stefan und postierte sich vors Fenster. Es blitzte und donnerte ununterbrochen, aber es regnete nicht mehr. K&#252;hle Luft str&#246;mte ins Wohnzimmer, das nur sp&#228;rlich von der Stehlampe erleuchtet wurde.
Karin bekam keine Ordnung in ihre Gedanken. Sie tanzten in ihrem Kopf wie M&#252;cken &#252;ber dem Wasser.
Pl&#246;tzlich fuhr sie zusammen. Sie bekam [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Katzen-was vorher geschah in katzensolo" href="http://www.katzensolo.de/03/12/2009/katzen-folge-1/" target="_self"><strong><em>Was vorher geschah</em></strong></a></p>
<p>Ruckartig erhob sich Stefan und postierte sich vors Fenster. Es blitzte und donnerte ununterbrochen, aber es regnete nicht mehr. K&#252;hle Luft str&#246;mte ins Wohnzimmer, das nur sp&#228;rlich von der Stehlampe erleuchtet wurde.<br />
Karin bekam keine Ordnung in ihre Gedanken. Sie tanzten in ihrem Kopf wie M&#252;cken &#252;ber dem Wasser.<br />
Pl&#246;tzlich fuhr sie zusammen. Sie bekam feuchte H&#228;nde, und Schwei&#223; stand auf ihrer Stirn. Was ihr eingefallen war, war unglaublich. Aber je mehr sie dar&#252;ber nachdachte, desto sicherer war sie, dass es stimmte.<br />
„Stefan”, begann sie leise, „da war noch der Kronleuchter.” „Welcher Kronleuchter?” fragte er ohne sich umzudrehen. Eine Antwort war &#252;berfl&#252;ssig. Er wusste sofort, was sie damit andeuten wollte.<br />
„Der runter fiel und beinahe deinen Gro&#223;vater erschlagen h&#228;tte.”<br />
Stefan winkte ab. „Der war nicht richtig befestigt.”<br />
„Der w&#228;re nie runtergekommen, wenn Franz ihn nicht als Schaukel benutzt h&#228;tte.” Karin stand auf und ging auf ihren Sohn zu. Sie packte ihn bei den Schultern und sah ihn an. Stefan senkte die Augen.<br />
„Sieh mich an, du wei&#223;t, wovon ich rede.”<br />
„Nein”, log er.<br />
„Doch, du wei&#223;t es. Gro&#223;vater hat gesehen, wie Franz&#8230;” Sie hielt inne und strich sich nerv&#246;s eine Haarstr&#228;hne aus dem Gesicht. „… Gro&#223;vater hat gesehen, wie Franz von der Mikrowelle sprang.”<br />
„Aber Gro&#223;vater hat den Kronleuchter &#252;berlebt. Deine absurde Theorie stimmt nicht.” In seinen Augen stand Triumph.<br />
„Ja”, sagte sie kleinlaut und nickte.<br />
„Aber&#8230;”<br />
„Komm jetzt nicht mit den abgefressenen Lieblingsnelken von Gro&#223;mutter! Die hat &#252;brigens dein Haro abgefressen. Schon vergessen?” Seine Augen funkelten.<br />
„Nein, aber solche Sachen tat er erst, als Franz bei uns eingezogen war.”<br />
„Vor allem machte er einen Riesenspektakel, wenn Franz in seine N&#228;he kam. Er lie&#223; sich nicht mal von dir beruhigen.”<br />
„Haro schien Gr&#252;nde zu haben.”<br />
„Haro schien Gr&#252;nde zu haben”, &#228;ffte er seine Mutter nach. „So ein Unfug.”<br />
Karin war sicher: das war kein Unfug. Franz hatte jeden geb&#252;hrend bestraft, der ihm feindselig gegen&#252;ber stand. Nur sie war glimpflich davon gekommen.</p>
<p><span id="more-4816"></span></p>
<p>Das j&#228;mmerliche Klagen der Katze war n&#228;her gekommen.<br />
„H&#246;rst du? Da weint eine Katze. Lass uns nachsehen.”<br />
„Das fehlte gerade noch.”<br />
Stefan hatte ihren Einwand einfach &#252;berh&#246;rt und beugte sich aus dem Fenster.<br />
„Da ist sie”, schrie er. „Sie sitzt unter unserem Fenster, eine ganz kleine. Schau nur wie s&#252;&#223; sie ist.” Karin r&#252;hrte sich nicht.<br />
„Stefan, das Tier bleibt drau&#223;en! Au&#223;erdem wird sie jemand vermissen.”<br />
Pl&#246;tzlich sprang eine graue Katze aufs Fensterbrett.<br />
Stefan streichelte das blanke Fell. Die Katze begann zu schnurren und rekelte sich unter seinen H&#228;nden. „Du bist wohl eine ganz Schlaue? Du bist nicht mal nass. Hast dich gut versteckt, was?”<br />
Karin stand auf und wedelte mit den Armen. „Husch, verschwinde. Ich habe genug von unvorhersehbaren Katastrophen.” Die Katze lie&#223; sich nicht beeindrucken und schmuste mit ihrem Sohn.<br />
„Mutsch, bitte? Darf sie bleiben? Bitte, Mutsch!” flehte Stefan seine Mutter an. Er dr&#252;ckte das graue Wollkn&#228;uel an seine Brust und vergrub seine Nase im Fell.<br />
Sie liebte ihn mehr, als sie Katzen hasste. Und bestimmt waren die seltsamen Vorf&#228;lle nur in ihrer Phantasie zu einem Desaster zusammen geflossen.<br />
Sie gab sich einen Ruck und sagte: „Gut, aber Morgen k&#252;mmerst du dich darum, wer sie vermisst.” Wohl war ihr nicht. H&#228;tte sie nur auf sich geh&#246;rt! Warum tat sie es nicht? Sie h&#228;tte ahnen m&#252;ssen, dass niemand diese Katze vermisst.</p>
<p>„Also, mein Sohn, wie willst du ihn bis Morgen nennen?” fragte Karin.<br />
„Nat&#252;rlich Franz”, sagte Stefan und schmunzelte.<br />
„Um Himmels Willen, keinen Franz mehr”, protestierte Karin. Stefan lachte.</p>
<p>Sie hatten sich gem&#252;tlich auf der Couch niedergelassen. Das Gewitter war abgezogen. Hin und wieder sahen sie Wetterleuchten am Horizont. Im Radio spielte leise Musik.<br />
Franz Nummer zwei hatte einen kugelrunden, satten Bauch und polierte sein Fell.<br />
Pl&#246;tzlich hielt er inne und starrte Karin an. Ein eiskalter Schauer lief &#252;ber ihren R&#252;cken. Ihr Hals war wie zugeschn&#252;rt und ihre H&#228;nde zitterten. Diese Augen! Seit Franz verschwand, verfolgten sie diese Augen sogar im Schlaf.<br />
War diese Katze gekommen, um eine l&#228;ngst f&#228;llige Rechnung zu begleichen? Schlie&#223;lich haben Katzen sieben Leben.<br />
Unsinn! Sie sch&#252;ttelte den Kopf. Soetwas passiert nur im M&#228;rchen.</p>
<p>H&#228;tte sie sich nur umgedreht! H&#228;tte sie nur einen kurzen Blick auf ihr Aquarium riskiert, in dem ihr friedlicher Goldfisch gerade gen&#252;&#223;lich all ihre Neonsalmer verspeiste!<br />
Sie h&#228;tte ihre Frage selbst beantworten k&#246;nnen.</p>
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		<title>Katzen (Folge 1)</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Dec 2009 12:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[geheimnisvoll]]></category>
		<category><![CDATA[Katzen]]></category>
		<category><![CDATA[Lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Vergnügen]]></category>

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		<description><![CDATA[Karin hatte das Fenster ge&#246;ffnet und starrte in den dunklen Garten. Der Wind raschelte in den Bl&#228;ttern des Haselnussstrauches und trug mit der schw&#252;len Luft den Duft des nahen Rapsfeldes ins Wohnzimmer.
F&#252;r einen Moment schloss sie die Augen und genoss den sanften Hauch auf ihrem Gesicht.
Ihre Gedanken weilten bei ihrem Vater. Nie hatte er den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Karin hatte das Fenster ge&#246;ffnet und starrte in den dunklen Garten. Der Wind raschelte in den Bl&#228;ttern des Haselnussstrauches und trug mit der schw&#252;len Luft den Duft des nahen Rapsfeldes ins Wohnzimmer.<br />
F&#252;r einen Moment schloss sie die Augen und genoss den sanften Hauch auf ihrem Gesicht.<br />
Ihre Gedanken weilten bei ihrem Vater. Nie hatte er den Unfalltod ihrer Mutter verwinden k&#246;nnen. Er starb am gebrochenen Herzen. Genau heute vor sieben Jahren.</p>
<p><span id="more-2721"></span></p>
<p>Pl&#246;tzlich durchw&#252;hlte eine Sturmb&#246;e den Apfelbaum, der M&#252;he hatte, seine noch unreifen Fr&#252;chte zu halten. Minuten sp&#228;ter durchschnitt ein gewaltiger Blitz den Abendhimmel. Unmittelbar danach krachte es. Regen prasselte nieder, und auf dem Fensterbrett entstanden kleine Pf&#252;tzen.</p>
<p>„He, Mutsch, was ist? Hast du Angst?” Stefan stand pl&#246;tzlich hinter ihr und ber&#252;hrte ihre Hand.<br />
„Ja, ein bisschen.” Sie wischte verstohlen &#252;ber ihre feuchten Augen.<br />
„Warum weinst du?”<br />
„Wei&#223;t du heute vor sieben Jahren&#8230;”<br />
„Ach, ich wei&#223;: Gro&#223;vater”, unterbrach Stefan seine Mutter.<br />
„Du erinnerst dich?”<br />
„Nat&#252;rlich.” Er senkte den Kopf. „Schlie&#223;lich war ich schon acht.”<br />
Sie schwiegen, lauschten dem Regen und dem Wind. Es duftete nach feuchter, warmer Erde. Jeder hing seinen Gedanken nach. Irgendwo in der Ferne jammerte eine Katze.</p>
<p>„Sag mal, Mutsch, erinnerst du dich an Franz?” Karin fuhr zusammen.<br />
„Sei still, wir waren uns einig, nie wieder &#252;ber Franz zu reden.”<br />
Karin hasste Katzen und besonders Franz. Franz bestand vor allem aus seinen Augen, die sie oft durchdringend, ja direkt b&#246;se anstarrten, als ahnte er, was sie von Katzen hielt. Dabei war sie nie h&#228;sslich mit ihm umgegangen. Ihr Hass spielte sich im Inneren ab.</p>
<p>Stefan hatte seinen schwarzen Kater verg&#246;ttert. Eines Tages war er einfach da, und hatte nicht die Absicht wieder zu verschwinden. Stefans Vater hatte trotz Protest der restlichen Familie erlaubt, die Katze aufzunehmen. Als Franz am Todestag ihres Vaters auf geheimnisvolle Weise verschwand, war sie &#252;bergl&#252;cklich.</p>
<p>„Wir waren uns nicht einig.” Stefan sch&#252;ttelte den Kopf. „Du hast es befohlen”, unterbrach er die Erinnerungen seiner Mutter.<br />
„Ja, ich wei&#223;.” Sie nickte. Ihr blonder Zopf wippte auf und ab. „Ich hatte nichts f&#252;r ihn &#252;brig, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit.”<br />
„Hast du immer behauptet, weil du ihn nicht richtig kanntest, und du hast dir nie die M&#252;he gemacht, ihn zu verstehen.”<br />
„Mag sein. Gro&#223;vater sagte immer, Katzen sind Kinder der H&#246;lle. Und das stimmt. Denk blo&#223; an die M&#228;rchen! Jede Hexe hat einen schwarzen Kater.”<br />
„Entschuldige, das ist nicht dein Ernst.” Stefan lachte.<br />
„Doch und Franz geh&#246;rte dazu. Seit er bei uns einzog, war nichts mehr so wie vorher. Ist dir das nie aufgefallen?”<br />
„Nein. Und selbst wenn, Franz konnte nichts daf&#252;r.” Nat&#252;rlich waren ihm die merkw&#252;rdigen Ereignisse in ihrem Haus aufgefallen. Aber zugeben &#8211; niemals!<br />
„Denkst du, er hat Vati in die Arme seiner Geliebten getrieben?” platzte er heraus. Karin bi&#223; schmerzhaft die Z&#228;hne aufeinander. Ihre Wangenmuskeln arbeiteten. Die Frage sa&#223;, wie beabsichtigt. Aber wer gegen Franz zu Felde zog, verdiente es nicht anders.<br />
„Nein”, antwortete sie schroff.<br />
„Siehst du!”<br />
„Nichts sehe ich. Ich dachte eher an Bubi.”<br />
„Ach, dieser bl&#246;de Vogel. Der h&#228;tte sowieso nicht sprechen gelernt.” Stefan tippte mit dem Zeigefinger an die Stirn.<br />
„Aber deswegen hat er nicht verdient, in den Bauch von Franz zu wandern.”<br />
„Nein, sicher nicht. Aber Franz&#8230;”<br />
„Der Kater hatte Federn in den Krallen, vergiss das nicht.”<br />
Karin lie&#223; sich in den Sessel fallen und st&#252;tze den Kopf in die H&#228;nde. Nach geraumer Weile sagte sie unvermittelt, mehr zu sich selbst: „Ich denke, Haro w&#252;rde auch noch leben.”<br />
„Du meinst, dein Sch&#228;ferhund&#8230;”<br />
„Ja, der war doch nicht bl&#246;d”, stie&#223; sie hervor.<br />
„Na, bl&#246;d nicht, aber verkalkt.” Stefan plumpste auf die Couch.<br />
„Und trotzdem, er w&#228;re nie &#252;ber die Stra&#223;e gerannt, wenn er einen Bus geh&#246;rt h&#228;tte.”<br />
„Vielleicht hat er ihn nicht geh&#246;rt. Er war alt.”<br />
„Ist doch Quatsch. Du wei&#223;t genau, dass Franz ihn auf die Stra&#223;e gejagt hat, als der Bus kam. Gib es zu!”<br />
„Das werde ich nicht, weil es nicht stimmt. Franz war bei mir.” Stefan bekam rote Ohren.<br />
„Stefan, du schwindelst. Franz war hinter Haro her. Gro&#223;mutter hat es gesehen.”<br />
Stefan lachte auf. „Und kurz danach hat Franz an der Mikrowelle gebastelt, um ihren Herzschrittmacher zu sabotieren, weil sie seine ‘Tat’ beobachtet hatte. Das ich nicht lache.” Karin hob den Kopf und blickte ihren Sohn ernst an.<br />
„Daran habe ich &#252;berhaupt nicht gedacht.”<br />
„Das ist Zufall, purer Zufall!” Seine Stimme klang hart, und Karin f&#252;hlte sich unangenehm ber&#252;hrt.</p>
<p><a title="Katzen-Schluss in Katzensolo" href="http://www.katzensolo.de/05/12/2009/katzen-schluss/" target="_self"><strong><em>Fortsetzung folgt</em></strong></a></p>
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		<title>Vertauschte Rollen &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte (Folge 2)</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Dec 2008 16:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was vorher geschah
Stefan klopfte auf sein Portemonnaie. „Und Geld habe ich au&#223;erdem gespart. Der war im Sonderangebot.” Ich grinste. Sonderangebot! Ein Weihnachtsbaum im Sonderangebot!
Au&#223;er diesem mindestens drei Meter langen Stamm und den weit ausladenden &#196;sten, war nicht viel dran, an diesem Sonderangebot. Die vorhandenen Nadeln h&#228;tten zusammen genommen zweifellos einen dekorativen Zweig f&#252;r unsere Anrichte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.katzensolo.de/08/12/2008/vertauschte-rollen-eine-weihnachtsgeschichte-folge-1/" title="Vertauschte Rollen Folge 1 in katzensolo" target="_blank"><em>Was vorher geschah</em></a></p>
<p>Stefan klopfte auf sein Portemonnaie. „Und Geld habe ich au&#223;erdem gespart. Der war im Sonderangebot.” Ich grinste. Sonderangebot! Ein Weihnachtsbaum im Sonderangebot!<br />
Au&#223;er diesem mindestens drei Meter langen Stamm und den weit ausladenden &#196;sten, war nicht viel dran, an diesem Sonderangebot. Die vorhandenen Nadeln h&#228;tten zusammen genommen zweifellos einen dekorativen Zweig f&#252;r unsere Anrichte abgegeben, aber mehr nicht.<br />
Mausi, unsere Katze, war meiner Meinung. Nur hatte sie sich nicht so gut im Griff. Ahnungslos stolzierte sie aus dem Wohnzimmer. Sie muss sich sehr erschrocken haben, denn ihre Nackenhaare standen augenblicklich wie die Borsten unserer Toilettenb&#252;rste, und sie gab T&#246;ne von sich, die ich nur von unserer quietschenden Kellert&#252;r kannte.</p>
<p><span id="more-1811"></span></p>
<p>Niemand h&#228;tte dieses Gebilde f&#252;r einen Weihnachtsbaum gehalten, aber mein Mann war &#252;berzeugt einen gekauft zu haben. Wie konnte er sich nur so etwas aufschwatzen lassen?<br />
„Warum sagst du nichts? Gef&#228;llt er dir nicht? Es ist der Sch&#246;nste seit Jahren.” Er streichelte den sp&#228;rlich benadelten Zweig, der in die K&#252;che ragte.<br />
„He, warum redest du nicht mit mir? Hast du dir wieder die Zunge verbrannt?”<br />
„Nein, mir fehlen nur die Worte.” Und sie fehlten mir tats&#228;chlich.<br />
„Das kann ich mir denken, bei so einem Baum”, schw&#228;rmte er, und ich wurde das Gef&#252;hl nicht los, er meinte es ernst.</p>
<p>In all den Jahren hatte jeder &#252;ber die Unzul&#228;nglichkeit des anderen gro&#223;z&#252;gig hinweggesehen. Er &#252;ber meine Backk&#252;nste und ich &#252;ber seine Weihnachtsb&#228;ume.<br />
Angesichts meiner prachtvoll gelingenden Pl&#228;tzchen kam ich in Versuchung, das zu &#228;ndern.<br />
„Hoffentlich hast du genug Lametta von dem eingesparten Geld gekauft”, bemerkte ich spitz.<br />
„Wieso?” Er legte den Kopf zur Seite, ohne den Blick von seinem Sonderangebot zu wenden.<br />
„Ich denke, du wirst es brauchen.” Ich tippte an den kahlen Zweig und sagte mit einem Unterton der Schadenfreude: „Wie willst du sonst diese kahlen &#196;ste verdecken?”<br />
Stefan stand wie vom Donner ger&#252;hrt. So hatte ich noch nie an seinem Baum gem&#228;kelt, und eigentlich war es auch gemein. Die Quittung f&#252;r mein h&#228;ssliches Ansinnen sollte ich umgehend bekommen.<br />
„Du sag mal, k&#246;nnte es sein, dass deine Pl&#228;tzchen in diesem Herd”, er tippte auf die kalte Platte „etwas dunkel werden?”<br />
Ich riss den Backofen auf, zerrte das qualmende Blech heraus und sah die Bescherung.<br />
Stefan war meinem Rettungsversuch teilnahmsvoll gefolgt, und ein verstohlenes Grinsen verschwand eilig hinter seiner ernsten Miene.<br />
Ich konnte ihm nicht mal b&#246;se sein, schlie&#223;lich hatte ich angefangen zu st&#228;nkern.</p>
<p>In trauter Gemeinsamkeit reinigten wir die K&#252;che und stutzten den Baum, wie jedes Jahr, und alles w&#228;re beim Alten geblieben, wenn mir nicht das zweite Glas Wein, das wir uns nach getaner Arbeit leisteten, zu Kopf gestiegen w&#228;re. Ich hatte pl&#246;tzlich eine geniale Idee, diese bl&#246;de Pl&#228;tzchenbackerei los zu werden.<br />
„Im n&#228;chsten Jahr tauschen wurde die Rollen”, sagte ich gespielt gleichg&#252;ltig. Dabei klopfte mein Herz wie verr&#252;ckt, wenn ich an seinen Protest dachte und an die Art wie ich vorhatte, ihn zu zerschmettern.<br />
„Welche Rollen?”<br />
„Na, du b&#228;ckst die Pl&#228;tzchen, und ich kaufe einen Weihnachtsbaum.” Ich r&#252;stete zum Angriff und fuchtelte schon mal wild mit dem leeren Glas vor seinem Gesicht. „Das kann doch nicht so schwer sein”, f&#252;gte ich hinzu. Beinahe w&#228;re mir das Glas aus der Hand gefallen, als er jubelte: „Schatz, das ist eine deiner kl&#252;gsten Ideen. So machen wir es.” &#220;berm&#252;tig gab er mir einen Schmatz auf die Wange.<br />
Seine Begeisterung lie&#223; mich f&#252;r einen winzigen Augenblick stutzen, aber was wollte ich mehr? Mein Plan war gelungen und ich zufrieden.</p>
<p>Ein Jahr sp&#228;ter.<br />
Seit Stunden wandele ich zwischen Weihnachtsb&#228;umen hin und her. Gro&#223;e und kleine, dicke und schlanke, Fichten, Tannen, Kiefern, alles vertreten, aber keiner, der meinen Vorstellungen ann&#228;hernd entspricht.<br />
Der Dunst des Gl&#252;hweins geht mir auf die Nerven, und die Weihnachtsmusik, die aus dem Lautsprecher qu&#228;kt, h&#246;re ich bereits zum f&#252;nften Mal.<br />
Meine F&#252;&#223;e sind kalt, die Finger abgestorben und an der Nase habe ich bestimmt einen Eiszapfen. Wehm&#252;tig w&#252;nsche ich mich an den heimischen Herd.</p>
<p>H&#228;tte mir Stefan nur verraten, was ich mir da einbrocke, ich w&#228;re garantiert bei meinen Pl&#228;tzchen geblieben.</p>
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		<title>Vertauschte Rollen &#8211; Eine Weihnachtsgeschichte (Folge 1)</title>
		<link>http://www.katzensolo.de/08/12/2008/vertauschte-rollen-eine-weihnachtsgeschichte-folge-1/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Dec 2008 12:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Endlich geschafft! Jetzt hatte ich mir eine Pause verdient.
Ich plumpste auf den K&#252;chenstuhl, streckte die Beine weit von mir und schl&#252;rfte meinen Kaffee.
Weihnachtliche T&#246;ne aus dem K&#252;chenradio versetzten mich in Hochstimmung, und im Backofen schwitzten meine Pl&#228;tzchen. Zufrieden konnte ich beobachteten wie sie langsam Farbe annahmen. Gut sahen sie aus. Am liebsten h&#228;tte ich mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich geschafft! Jetzt hatte ich mir eine Pause verdient.<br />
Ich plumpste auf den K&#252;chenstuhl, streckte die Beine weit von mir und schl&#252;rfte meinen Kaffee.</p>
<p>Weihnachtliche T&#246;ne aus dem K&#252;chenradio versetzten mich in Hochstimmung, und im Backofen schwitzten meine Pl&#228;tzchen. Zufrieden konnte ich beobachteten wie sie langsam Farbe annahmen. Gut sahen sie aus. Am liebsten h&#228;tte ich mir auf die Schulter geklopft, denn ich muss zugeben, mit der Pl&#228;tzchenb&#228;ckerei stehe ich auf Kriegsfu&#223;.</p>
<p><span id="more-1810"></span></p>
<p>Niemandem erlaube ich dieser Handlung beizuwohnen, geschweige zu helfen. Alle hatten zu verschwinden, wenn ich zur Tat schritt. Selbst welche Sorten ich probieren werde, verriet ich nicht, schlie&#223;lich konnte man nicht wissen, was zum Schluss heraus kam.</p>
<p>Beim allj&#228;hrlichen Pl&#228;tzchen &#8211; Namen &#8211; Raten vor der Bescherung kam bisher keiner auf mehr als zwei Richtige. Gl&#252;cklich war ich dabei nicht, und so verhandelte ich wieder und wieder mit meiner Familie &#252;ber die Abschaffung dieser bl&#246;den Tradition, die stark an meinem Selbstbewusstsein kratzte. Aber ohne Erfolg. Ich wurde diesen Job nicht los, selbst auf die Gefahr hin, dass sich jemand eine Plombe ausbiss.</p>
<p>Diese aber &#8211; ich l&#228;chelte selig vor mich hin &#8211; sahen fast so aus wie in meinem Kochbuch. Ich war &#252;berzeugt, es werden Meisterwerke auch ohne das P&#228;ckchen Backpulver, das ich gerade auf dem Tisch entdeckt hatte.</p>
<p>Oh, wie das duftete! Am liebsten h&#228;tte ich genascht. Achtung, Finger weg! Tagelang war ich im vergangenen Jahr mit Brandblasen an Fingern und Zunge rumgerannt. Ich hatte vorlaut eine winzige Kostprobe vom Blech gel&#246;st, und weil es wahnsinnig hei&#223; war, sofort in den Mund geschoben, wo es zischende Ger&#228;usche verursachte. So eine Erfahrung reicht f&#252;rs ganze Leben.</p>
<p>Ich nahm einen kr&#228;ftigen Schluck Kaffee und lie&#223; meinen Blick durch die K&#252;che schweifen. Wie von selbst hatte sie sich in ein Schlachtfeld verwandelt. Aber der Anblick konnte mich nicht ernsthaft erschrecken, schlie&#223;lich kannte ich mich lange genug, um zu wissen, wie eine K&#252;che nach meiner Art zu <strong>Backen</strong> aussah.</p>
<p>Alle Schr&#228;nke standen offen und boten ihren Inhalt feil. Die Schubk&#228;sten waren bis zum Anschlag herausgezogen, und neben einem verschmierten Nudelholz warteten leere Eierschalen geduldig auf ihren letzten Gang in den M&#252;lleimer. Mehl in all seinen Erscheinungsformen wohin man schaute. Sogar auf dem Radio, das mich seit Stunden mit Weihnachtsmusik verw&#246;hnte, entdeckte ich eine h&#252;bsche Mehlhaube.</p>
<p>Wie Schnee, dachte ich, und entschloss mich schmunzelnd, dem Radio diese weihnachtliche Dekoration zu lassen. Gl&#252;cklicherweise erinnerte ich mich an den Putzfimmel meiner Schwiegermutter, die am Heiligen Abend den Schnee auf meinem Radio glatt f&#252;r Mehl halten w&#252;rde, das ich vergessen hatte abzuwischen. Diese Schande wollte ich mir ersparen und griff zum Lappen.</p>
<p>Pl&#246;tzlich klingelte es. Besuch? Den konnte ich nicht brauchen, und die restlichen Familienmitglieder waren langfristig untergebracht. Wer konnte das sein? Ich wischte meine bekleisterten H&#228;nde notd&#252;rftig an dem triefend nassen Handtuch ab, um wenigsten die Klinke nicht mit Teig zu beschmieren, und &#246;ffnete die T&#252;r.</p>
<p>Da stand so etwas wie ein &#8230;Reisigbesen, aber einer f&#252;r Riesen. Ich kann mich nicht erinnern jemals so ein Gebilde gesehen zu haben. Erschrocken knallte ich die T&#252;r zu. Kurz darauf klingelte es wieder und eine Stimme rief: „Was soll das? Mach auf! Ich kann ihn nicht mehr halten.”</p>
<p>Kritisch legte ich das Ohr an die T&#252;r. Das war Stefan, mein Mann. War der schon vom Weihnachtsbaumkauf zur&#252;ck? Vorsichtig lugte ich durch den Spion, und tats&#228;chlich hinter den Reisern wackelte seine Pudelm&#252;tze.</p>
<p>„Endlich”, rief er, als ich &#246;ffnete und dr&#228;ngelte das Monstrum in unseren winzigen Flur. Ich frage mich noch heute, wie er &#252;berhaupt die T&#252;r schlie&#223;en konnte.</p>
<p>„Schatz, sieh, ist das nicht ein toller Baum?” rief mir mein Stefan begeistert zu. Ich k&#228;mpfte mit den Zweigen in meinem Gesicht und trat widerstandslos den R&#252;ckzug in die K&#252;che an.</p>
<p>„Ja umwerfend, wirklich”, keuchte ich hervor, w&#228;hrend ich &#252;ber einen K&#252;chenstuhl stolperte, von dem meine Backsch&#252;ssel scheppernd zu Boden rutschte.<br />
„Ist dir was passiert?” kam es vom Flur.<br />
„Nein, es war nur die Sch&#252;ssel.”</p>
<p>Mein holder Ehegatte schob sich am <strong>Weihnachtsbaum</strong> vorbei und baute sich in voller Breite vor mir auf. Er strahlte &#252;bers ganze Gesicht, wie jedes Jahr, wenn er den Weihnachtsbaum nach Hause brachte, denn den Job wurde er nicht los.</p>
<p>„Der ist toll, was?” Er zeigte in den Flur. „Ein Prachtexemplar”, schw&#228;rmte er mit liebevollem L&#228;cheln in den Augen und k&#252;sste meine bemehlte Wange. Ich konnte meiner Begeisterungsschreie gerade noch Herr werden.</p>
<p><a href="http://www.katzensolo.de/11/12/2008/vertauschte-rollen-eine-weihnachtsgeschichte-folge-2/" title="Vertauschte Rollen Folge 2 in katzensolo" target="_blank"><em>Fortsetzung folgt</em></a></p>
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		<title>Geplanter Zufall (Folge 2)</title>
		<link>http://www.katzensolo.de/30/11/2008/geplanter-zufall-folge-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Nov 2008 10:48:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was vorher geschah 
Mit zusammengepresstem Kiefer umklammerte er das Lenkrad. Seine Wangenmuskeln arbeiteten.
„Beruhige dich und erz&#228;hl der Reihe nach. Du bist angekommen und hast geklingelt.”
„Da war keine Klingel. Ich habe geklopft. Als sich nichts r&#252;hrte, lauschte ich an der T&#252;r. Pl&#246;tzlich wurde sie aufgerissen, und &#8211; da stand Juliane.”
„Was hat sie gesagt?”
„ ‘Guten Abend Werner. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.katzensolo.de/28/11/2008/geplanter-zufall-folge-1/" title="Geplanter Zufall Folge 1 in Katzensolo" target="_blank"><em>Was vorher geschah </em></a></p>
<p>Mit zusammengepresstem Kiefer umklammerte er das Lenkrad. Seine Wangenmuskeln arbeiteten.<br />
„Beruhige dich und erz&#228;hl der Reihe nach. Du bist angekommen und hast geklingelt.”<br />
„Da war keine Klingel. Ich habe geklopft. Als sich nichts r&#252;hrte, lauschte ich an der T&#252;r. Pl&#246;tzlich wurde sie aufgerissen, und &#8211; da stand Juliane.”<br />
„Was hat sie gesagt?”<br />
„ ‘Guten Abend Werner. Wir haben dich erwartet.’ ”<br />
„Was? Sie hat dich erwartet?” Sabine hielt den Atem an.<br />
„Nein, sie sagte: ’Wir’ ”<br />
„Wieso ‘wir’ ?”<br />
„Da war ein Mann. Er hockte im Wohnzimmer vor einem wild lodernden Kamin. Es stank nach selbst gebastelten Silvesterknallern.”<br />
„Silvesterknaller und Kaminfeuer bei diesem Wetter?” Ungl&#228;ubig wiegte sie den Kopf. „Und wer war das?”<br />
„Ihr Alter.”<br />
„Ihr Vater?”<br />
„Ja, aber eigentlich starb der bei einem Sturz von unserer Kellertreppe.”<br />
Sabine zupfte an ihrem Kleid. Das tat sie immer, wenn sie nachdachte. „Also, zwei Tote sitzen mit <a href="http://www.pyro-artikel.de/pyro-cracker-knaller-chinaboeller-kracher.html" title="Sivesterfeuerwerk" target="_blank"><strong>Silvesterknallern</strong></a> bei sommerlicher Hitze am Kaminfeuer. So ein Bl&#246;dsinn”, stellte sie sachlich fest.<br />
„Du glaubst mir nicht. Ich wusste es!”<br />
„Du musst zugeben, das ist schwer zu glauben.”<br />
Er schluckte. „Aber es stimmt.”<br />
„Gut, lassen wir es dabei.” Sie starrte zum Haus auf dem H&#252;gel. Er schwieg.</p>
<p><span id="more-1760"></span></p>
<p>„Was wollten die von dir? Schlie&#223;lich hatten sie dich erwartet.”<br />
„Ich wei&#223; nicht. Vor sieben Jahren h&#228;tte ich meine letzte Probe bestanden und werde aufgenommen.”<br />
„Was f&#252;r eine Probe? Wo wirst du aufgenommen?”<br />
„Das habe ich auch gefragt. Sie sagten, ich w&#252;sste schon.”<br />
„Und?” Neugierig blickte sie ihn an. „Wei&#223;t du?”<br />
„Sei jetzt still! Ich h&#228;tte dir nichts erz&#228;hlen sollen”, wehrte er ab.<br />
„Du musst etwas getan haben. Nur wenn man etwas tut, kann man etwas bestehen und aufgenommen werden.”<br />
„Halt den Mund!”<br />
„Vor sieben Jahren? Es war vor sieben Jahren, als sie abst&#252;rzte.” Sie gr&#252;belte. Pl&#246;tzlich richtete sie sich auf. „Genau heute vor sieben Jahren!”<br />
„Das ist unwichtig, Zufall oder sonst was!” br&#252;llte er.<br />
„Es muss damit zu tun haben! Nur was?”<br />
Die Idee war absurd. War sie es wirklich? Wirre Gedanken tanzten in ihrem Kopf, der wie ein dicker Luftballon zu platzen drohte. Ihre Lippen waren blutleer und zitterten. Schmerzhaft sp&#252;rte sie, wie ihre Finger den Rocksaum zerkn&#252;llten. Sollte ihr Mann vielleicht…</p>
<p>„Du hast sie gesto&#223;en! Und das ist ihre Rache.”<br />
„Du spinnst ja”, br&#252;llte er.<br />
Ihre Z&#228;hne schlugen aufeinander. Unwillk&#252;rlich umfasste sie den Griff der Autot&#252;r. „Du hast es getan. Aber warum? Sie wei&#223; es, und du wei&#223;t es auch.”<br />
Giftig rot waren seine Augen, als er Sabine am Hals packte. Mit letzter Kraft r&#246;chelte sie: „Du hast beide umgebra&#8230;” Er dr&#252;ckte zu. Sabine sackte zusammen.<br />
Er grinste. „Nat&#252;rlich nicht. Ich habe nur eine Kleinigkeit vorbereitet. Und du h&#228;ttest besser nicht nachgedacht.”</p>
<p>Wie aus dem Erdboden gestampft erschien Juliane.<br />
„Gratuliere zum Gesellenst&#252;ck. Ich habe ihm prophezeit, du wirst es schaffen. Unsere letzte Bergtour hatte mich bereits &#252;berzeugt. Er verlangte noch einen Beweis. Jetzt kannst du nicht mehr w&#228;hlen. Es ist vorbei. Wir warten.”</p>
<p>Juliane verschwand wie sie gekommen war.<br />
F&#252;r den Bruchteil einer Sekunde bemerkte Werner glei&#223;endes Licht auf dem H&#252;gel. Und er bemerkte den angenehm schwefligen Geruch in der klaren Nachtluft.<br />
In weiter Ferne schlug eine Kirchturmuhr Eins. <em>Schluss</em></p>
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		<title>Geplanter Zufall (Folge 1)</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Nov 2008 17:40:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[Pl&#246;tzlich streikte der Motor. Dr&#252;ckende Stille lag &#252;ber der n&#228;chtlichen Landschaft bis Werner Gabriel tobte: „Ich habe es gewusst!” W&#252;tend knallte er seine H&#228;nde auf das Lenkrad. Sabine zuckte zusammen. Sie kannte die Wutausbr&#252;che ihres Mannes, aber gew&#246;hnen konnte sie sich nicht daran.

„Blo&#223; weil du unbedingt zu n&#228;chtlicher Stunde &#252;ber diese bl&#246;de Stra&#223;e fahren wolltest.” [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pl&#246;tzlich streikte der Motor. Dr&#252;ckende Stille lag &#252;ber der n&#228;chtlichen Landschaft bis Werner Gabriel tobte: „Ich habe es gewusst!” W&#252;tend knallte er seine H&#228;nde auf das Lenkrad. Sabine zuckte zusammen. Sie kannte die Wutausbr&#252;che ihres Mannes, aber gew&#246;hnen konnte sie sich nicht daran.</p>
<p><span id="more-1759"></span></p>
<p>„Blo&#223; weil du unbedingt zu n&#228;chtlicher Stunde &#252;ber diese bl&#246;de Stra&#223;e fahren wolltest.” Mit zornig funkelnden Augen traktierte er das Z&#252;ndschloss.</p>
<p>„Sicher w&#228;re es auch auf der Hauptstra&#223;e passiert”, lenkte sie vorsichtig ein.<br />
„Meinst du!” Er schaute sich um. „Siehst du hier ein Haus, von wo man eine Werkstatt anrufen k&#246;nnte? Ich sehe nur Kiefern und Gras. Entsetzlich! Und das nennt sich Urlaub.”</p>
<p>Sabine blickte suchend &#252;ber die Wiese. „Sieh, dort auf dem H&#252;gel!” rief sie erleichtert.<br />
„Das ist stockdunkel.” Er winkte ab.<br />
„Aber vielleicht k&#246;nnten wir versuchen&#8230;”<br />
„Muss ich wohl. Du wartest hier”, befahl er.<br />
„K&#246;nnte ich nicht&#8230;”<br />
„Nein, einer muss beim Auto bleiben.” Er stieg aus und stiefelte querfeldein den H&#252;gel hinauf.</p>
<p>Wie konnte er ihr das nur antun? Oh, wie sie es hasste, im Dunkeln allein zu sein!<br />
Mit hochgezogenen F&#252;&#223;en hockte sie auf ihrem Sitz. Die Hitze des Tages war noch immer zu sp&#252;ren, aber sie fror. Es duftete nach frischem Heu. Unruhig wanderten ihre Augen zwischen den dunklen Kiefern und dem Haus auf dem H&#252;gel hin und her. Wenn er nur endlich k&#228;me!<br />
In weiter Ferne schlug eine Kirchturmuhr Mitternacht.</p>
<p>Gerade als sie dem Waldkauz nachblickte, der lautlos zwischen den Kiefern verschwand, riss Werner die Autot&#252;r auf und warf sich auf den Sitz. Er sch&#252;ttelte schweigend den Kopf. Seine H&#228;nde zitterten, als er erneut versuchte den Motor zu starten. Im fahlen Mondlicht sah sie sein blasses Gesicht und seine entsetzt aufgerissenen Augen.</p>
<p>„Was ist passiert? Sag endlich!” Sabine rutschte auf ihrem Sitz hin und her.<br />
Bewegungslos starrte er vor sich hin. F&#252;r einen Moment schloss er die Augen.<br />
„Was ich gesehen habe, sollte ich dir besser nicht erz&#228;hlen. Du wirst es nicht glauben.”<br />
Sie nickte. „Doch, ich werde es glauben.”<br />
„Ich habe meine Frau gesehen.” Nein, das konnte sie ihm nicht glauben. Sie sch&#252;ttelte mit dem Kopf.<br />
„Werner, ich bin hier.” Sie beugte sich vor und griff nach seiner Hand.<br />
„Du verstehst nicht, ich habe Juliane gesehen!” Unwillig entzog er sich ihrer Ber&#252;hrung.<br />
„Juliane?”<br />
„Ich habe dir gesagt, du wirst mir nicht glauben.”<br />
„Juliane? Deine erste Frau?” wiederholte sie.<br />
„Ja.”, antwortete er.<br />
„Juliane ist seit sieben Jahren tot!”<br />
„Sie war dort.”<br />
„Aber sie ist bei eurer Bergtour abgest&#252;rzt.”<br />
„Ja, ist sie. Ihre Leiche wurde nie gefunden.”<br />
„Ich wei&#223;.” Sabine wies mit der Hand den H&#252;gel hinauf. „Das kann sie nicht sein!”<br />
„Glaub mir, ich habe sie gesehen!”<em> <a href="http://www.katzensolo.de/30/11/2008/geplanter-zufall-folge-2/" title="Geplanter Zufall Folge 2 in Katzensolo" target="_blank">Fortsetzung folgt</a></em></p>
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		<title>Strafe muss sein</title>
		<link>http://www.katzensolo.de/21/10/2008/strafe-muss-sein/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Oct 2008 12:25:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Amüsantes]]></category>
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		<description><![CDATA[Bernd ist mein bester Freund. Es ist nicht das, was Sie vielleicht jetzt denken. Nein, es handelt sich um eine ernstzunehmende M&#228;nnerfreundschaft mit allem Drum und Dran. Selbstverst&#228;ndlich v&#246;llig anders als Frauenfreundschaften, ohne diese verlogene Harmoniesucht. Wir kriegen uns richtig in die Haare, wenn wir Fu&#223;ballschlachten vor dem Fernseher gewinnen wollen, &#252;ber Politik diskutieren oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bernd ist mein bester Freund. Es ist nicht das, was Sie vielleicht jetzt denken. Nein, es handelt sich um eine ernstzunehmende M&#228;nnerfreundschaft mit allem Drum und Dran. Selbstverst&#228;ndlich v&#246;llig anders als Frauenfreundschaften, ohne diese verlogene Harmoniesucht. Wir kriegen uns richtig in die Haare, wenn wir Fu&#223;ballschlachten vor dem Fernseher gewinnen wollen, &#252;ber Politik diskutieren oder &#252;ber schnelle Autos. M&#228;nnerfreundschaften sind pflegeleicht. Hat man sich einmal Freundschaft bewiesen, ist alles klar.</p>
<p><span id="more-1579"></span></p>
<p>Einen riesigen Fehler hat Bernd allerdings, und der nervt mich. Er ist unnormal gewissenhaft.<br />
„Eines Tages”, prophezeite ich ihm, „wirst du daf&#252;r bestraft.” Wie Recht ich hatte, erfuhr ich gestern Abend.</p>
<p>Es klingelte, und ich &#246;ffnete die T&#252;r<br />
„Also Klaus, ich bin am Ende.” Ersch&#246;pft, mit wirren Haaren, zerrte er sich den Anorak vom Leib. Seine Sorgenfalten schienen tiefer als gew&#246;hnlich.<br />
„Bernd, was ist? Du stehst ja richtig neben dir.”<br />
„Wenn ich dir erz&#228;hle, was mir heute passiert ist, wirst du dich kringeln vor Lachen.”<br />
„Nun komm, spann mich nicht auf die Folter.” Ich klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.<br />
„Also gut.” Er atmete tief durch. „Ich hatte einen Zahnarzttermin. Zwei Stra&#223;en vor der Praxis schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf: F&#252;hrerschein und Fahrzeugpapiere vergessen! F&#252;r einen Moment dachte ich daran umzukehren. Man bedenke, ich ohne Papiere! Ich gr&#252;belte, wie so etwas passieren konnte. Sicher der Stress wegen des Zahnarztes, du verstehst? Ich riss mich zusammen und blieb optimistisch. Warum gerade sollte ich heute von der Polizei angehalten werden. Ich bin noch nie in eine Fahrzeugkontrolle geraten.”<br />
„Tats&#228;chlich nicht?” staunte ich mit offenem Mund. „Ich schon. Und jedes Mal hatten die was zu meckern.”<br />
„Naja, du ahnst, was jetzt kommt. Kurz vorm Zahnarzt wurde ich von der Polizei angehalten. Mir rutschte das Herz in die Hose. Zu schnell war ich nicht gefahren. Gibt es nicht bei mir. Das wei&#223;t du. ’Allgemeine Fahrzeugkontrolle. Bitte Ihren F&#252;hrerschein und die Fahrzeugpapiere.’ Ich war sicher totenbleich. Meine Knie zitterten, und ich wagte kaum aus dem Auto zusteigen. ‘Haben Sie getrunken?’ war das N&#228;chste. ‘Nein, um Himmels Willen, ich trinke nie, wenn ich Auto fahre.’ kam meine Antwort. Aufgeregt beichtete ich die vergessenen Papiere. ‘Herr Wachtmeister’, sagte ich flehend, „ich habe seit 20 Jahren meinen F&#252;hrerschein und bin nicht ein einziges Mal kontrolliert worden. Noch nie bin ich ohne Papiere gefahren.’ ”</p>
<p>„Und?” fragte ich gespannt.<br />
„Er hat mir geglaubt, stell dir vor.”<br />
„Dir muss man einfach glauben. Bestimmt hast du furchtbar zerknittert dreingeschaut.”<br />
„Klar, schlie&#223;lich musste ich was tun. Eine Geldstrafe konnte er sich nicht verkneifen. Wenigsten gab es keine Punkte.”<br />
„Und, das hat dich so aufgeregt?”<br />
„Ne, der Clou kommt noch.”<br />
„Bist du noch mal in eine Kontrolle geraten?”<br />
„Quatsch. Als ich zu Hause war, habe ich meine Tasche ausger&#228;umt und&#8230;” Er machte eine Pause und verdrehte die Augen.<br />
„Und?” Gespannt wie ein Flitzebogen starrte ich ihn an.<br />
„Da waren meine Papiere! Stell dir vor! Ich hatte sie in der Tasche. Dabei war ich &#252;berzeugt, sie vergessen zu haben. Ich habe nicht mal gesucht. Das hat mich ein paar Euro gekostet, und so &#252;berfl&#252;ssig.”</p>
<p>Ich kringelte mich wirklich vor Lachen: „Es trifft immer die Falschen.”</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zu sp&#228;t (Folge 2)</title>
		<link>http://www.katzensolo.de/17/09/2008/zu-spaet-folge-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 17 Sep 2008 15:46:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[11.September]]></category>
		<category><![CDATA[Flugzeug]]></category>
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		<description><![CDATA[Was vorher geschah 
&#8220;Dass meine Mutter sterben wird.” Gustav schnaufte.
„Och, das ist doch nichts Schlimmes. Jeder Mensch muss sterben.”
„Das schon, aber ich habe ihm auch gesagt, wie sie sterben wird.”
„Und das hat gestimmt.” Florian nickte wissend.
„Ja. Sie ist vom Heuboden gest&#252;rzt und unter den H&#228;nden eines Quacksalbers gestorben.”
„Das ist schlimm, aber was hattest du damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.katzensolo.de/12/09/2008/zu-spaet-folge-1/" title="Zu sp&#228;t (Folge 1 in Katzensolo"><em>Was vorher geschah </em></a></p>
<p>&#8220;Dass meine Mutter sterben wird.” Gustav schnaufte.<br />
„Och, das ist doch nichts Schlimmes. Jeder Mensch muss sterben.”<br />
„Das schon, aber ich habe ihm auch gesagt, wie sie sterben wird.”<br />
„Und das hat gestimmt.” Florian nickte wissend.<br />
„Ja. Sie ist vom Heuboden gest&#252;rzt und unter den H&#228;nden eines Quacksalbers gestorben.”<br />
„Das ist schlimm, aber was hattest du damit zu tun?” Florian legte den Kopf zur Seite.<br />
„Erwin hatte sp&#228;ter der Polizei erz&#228;hlt, was ich ihm anvertraut hatte. Man glaubte, ich habe es geplant und sie gesto&#223;en. Niemand hatte gesehen, wie es passiert war.”<br />
„Du h&#228;ttest deine Mutter warnen m&#252;ssen.”<br />
Gustav hielt den Atem an. Er hatte es immer geahnt, dem Jungen konnte er nichts vorspielen.</p>
<p><span id="more-1444"></span><br />
„Das wollte ich tun, glaub mir Florian. Obwohl ich genau wusste, dass ich es h&#228;tte nicht verhindern k&#246;nnen.”<br />
„Doch du h&#228;ttest! Du h&#228;ttest sofort mit ihr sprechen m&#252;ssen! Warum warst du zuerst bei deinem Freund? Da ist wertvolle Zeit vergangen.”<br />
„Ja, ich wei&#223;. Ich hatte nicht geahnt, dass es so schnell passieren wird, und au&#223;erdem, sie h&#228;tte mir nicht geglaubt. ‘Spinner’, hatte sie immer gesagt. Den Krieg, ich war sechs, als ich davon sprach, tat sie als Phantasiegebilde eines Kindes ab. Und doch kam er kurz darauf mit gewaltigem Leid. Mein Vater wurde eingezogen. Sie wartete auf Post, sie litt. Ich musste ihr sagen, verstehst du, dass sie umsonst wartet. Vater war am Mamaja- H&#252;gel gefallen, nur sie wusste es noch nicht. Ich bezog eine geh&#246;rige Tracht Pr&#252;gel. Und doch stimmte es.” Gustav senkte den Kopf. „Keiner hat mir je geglaubt.”<br />
„Ich glaube dir. Ich bin froh, dass es dich gibt.” Florian schmiegte sich an Gustav. „Ich glaube dir wirklich.”<br />
„Ich wei&#223;, mein Junge. Oft habe ich in meiner Zelle Dinge voraus gesehen, aber seit damals habe ich niemals wieder dar&#252;ber gesprochen.”<br />
„Was f&#252;r Dinge?” dr&#228;ngte Florian.<br />
„Solche Dinge eben.”<br />
„F&#252;r den Krieg kannst du nix und f&#252;r den Tod deines Vaters auch nicht. Deine Mutter&#8230;”<br />
„Nein, nein, nein, aber ich habe gewusst, was kommt, verflucht noch mal”, schrie Gustav. „Ich habe es nicht ein einziges Mal geschafft, das, was sich vor meinem geistigen Auge abspielte, zu verhindern. Ich bin alt und m&#252;de. Ich kann nicht, und ich will nicht mehr.”<br />
„Aber Gustav es geht um Menschen.”<br />
„Ich wei&#223;, und meine Jahre im Knast? Da ging es um mich. Bin ich kein Mensch? Ja, ein Mensch mit einer verfluchten Gabe, die mich bisher nur gequ&#228;lt hat, weil mir niemand zuh&#246;rte, weil mir niemand glaubte. Wozu auch, es w&#228;re stets zu sp&#228;t gewesen.”<br />
„Gustav, sei nicht traurig. Das ist jetzt vorbei.”<br />
„Es ist nicht vorbei, auch du wirst nichts &#228;ndern&#8230;”, pl&#246;tzlich hielt Gustav inne. Jetzt war es raus. Was hatte er getan? Eigentlich nichts. Unweigerlich w&#228;re Florian eines Tages selbst darauf gekommen. Nun musste auch der Junge mit dieser B&#252;rde leben.<br />
Florian nahm seine Mappe vom R&#252;cken und stellte sie ab. Gustav versuchte in seinem Gesicht zu lesen. Er sah nur die zusammen geschobenen Brauen des Jungen.<br />
Schweigend starrten beide &#252;ber die Friedhofsmauer auf die Gr&#228;ber. Ein seltsames Paar. Vereint in Gedanken. Keiner vermochte zu sagen, wie lange sie so standen.<br />
„Gustav, du wei&#223;t, was gleich passieren wird”, sagte Florian pl&#246;tzlich und schaute zum Himmel. Gustav hob den Kopf. Der Herbstwind jagte dunkelgrauen Wolken nach.<br />
„Ja, ich wei&#223;”, sagte er tonlos und nickte. „Und wir beide k&#246;nnen nichts tun.”<br />
„Aber wir m&#252;ssen was tun! Komm, gleich!” Florian suchte Gustavs Hand.<br />
„Flori, es zu sp&#228;t. Glaub mir, es ist immer zu sp&#228;t.”<br />
„Nein, es ist nicht immer zu sp&#228;t. Vielleicht f&#252;r dieses Mal. H&#228;tten wir uns nur gestern getroffen! Ich habe da was gef&#252;hlt, jetzt erst wei&#223; ich, was es bedeutet.” Tr&#228;nen kullerten &#252;ber seine Wangen.</p>
<p>Im selben Moment krachte das erste von zwei Flugzeugen auf der anderen Seite der Welt in das World Trade Centre.</p>
<p>Gustav schloss die Augen. Er sp&#252;rte den Schmerz, und er sp&#252;rte wie Florians kleine Finger kr&#228;ftig in seiner verrunzelten Hand arbeiteten. Er wusste, auch das n&#228;chste Mal wird es zu sp&#228;t sein.</p>
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		<title>Zu sp&#228;t (Folge 1)</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Sep 2008 15:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[11.September]]></category>
		<category><![CDATA[Flugzeug]]></category>
		<category><![CDATA[Knast]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mörder]]></category>
		<category><![CDATA[Nachdenkliches]]></category>
		<category><![CDATA[spät]]></category>
		<category><![CDATA[World Trade Center]]></category>
		<category><![CDATA[zu]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch an diesem Dienstag schlenderte Gustav Hasler an der Friedhofsmauer entlang.
Ehrfurchtslos rasten Autos auf der Durchgangsstra&#223;e vorbei. Es war wie jeden Tag, und doch w&#252;rde er sich von den anderen unterscheiden.
Gustav hob den Kopf und blickte in die Kronen der Eichen, die schon l&#228;nger als ein Menschenleben die Toten dieses m&#228;rkischen Dorfes bewachten. Vielen Bewohner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch an diesem Dienstag schlenderte Gustav Hasler an der <strong>Friedhofsmauer</strong> entlang.<br />
Ehrfurchtslos rasten Autos auf der Durchgangsstra&#223;e vorbei. Es war wie jeden Tag, und doch w&#252;rde er sich von den anderen unterscheiden.</p>
<p>Gustav hob den Kopf und blickte in die Kronen der Eichen, die schon l&#228;nger als ein Menschenleben die Toten dieses m&#228;rkischen Dorfes bewachten. Vielen Bewohner hatten sie das letzte Geleit gegeben.</p>
<p><span id="more-1443"></span></p>
<p>Fr&#246;stelnd raffte Gustav seinen Mantelkragen zusammen und schob ihn unter das unrasierte Kinn. Der Wind r&#252;ttelte an den &#196;sten, an denen die Bl&#228;tter um ihren Halt k&#228;mpften Der Himmel droht mit dem unvermeidlichen Herbst.<br />
Niemandem h&#228;tte Gustav erkl&#228;ren k&#246;nnen, was ihn hierher trieb. Es war immer das Gleiche.</p>
<p>Die <strong>Gr&#228;ber</strong> waren es nicht. Die lie&#223;en ihn nur erschauern.<br />
Er kannte die Namen auf den Grabsteinen. Die Erinnerungen taten weh. Da, gleich neben dem Eingangstor lag Erwin, sein bester Freund, den er nach diesem unseligen Tag vor ewigen Zeiten, nicht mehr gesprochen hatte. Geheimnisse sollte man eben nicht ausplaudern.</p>
<p>Gustav blieb stehen, starrte auf seine abgewetzten Schuhspitzen. Der zerschlissene Mantel flatterte hinter ihm her. Langsam hob er den Kopf, strich sich eine graue Str&#228;hne aus dem Gesicht.</p>
<p>Furchtbar, da war es wieder dieses Gef&#252;hl. Unbeschreiblich! Unheimlich! Seine Gedanken lie&#223;en sich nicht ordnen, noch nicht. Doch er wusste, bald w&#252;rden sie Formen annehmen, gr&#228;ssliche Formen. So war es immer, aber immer zu sp&#228;t.</p>
<p>„He, Gustav!” Die Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Gustav drehte sich um. Ein etwa zw&#246;lfj&#228;hriger Junge rannte auf ihn zu. Die Schulmappe wippte gef&#228;hrlich auf seinem R&#252;cken. Gustav l&#228;chelte.<br />
„Flori, wo kommst du her?”<br />
„Vom Bus, aus der Schule.”<br />
„Geh nach Hause, deine Mutter wartet. Kriegst &#196;rger, wenn sie sieht, dass du mit mir redest”, rief Gustav.<br />
„Quatsch, lass sie schimpfen. Mir egal.”</p>
<p>Gustav grinste. Florian war der einzige im Dorf, der trotz Verbots mit ihm sprach, denn das hier war ein anst&#228;ndiges Dorf. Leute, die im <strong>Knast</strong> gesessen hatten, geh&#246;rten nicht zur Gemeinschaft.<br />
Dass Florian ein besonderer Junge war, hatte er sofort gesp&#252;rt und gleichzeitig gew&#252;nscht, es w&#228;re anders.</p>
<p>Au&#223;er Atem blieb Florian stehen. Gustav sah, dass seine braunen Augen heute einen Schein dunkler waren als gew&#246;hnlich.<br />
„Was ist, du bist so nachdenklich?” begann Florian.<br />
„Schon gut, mein Junge.” Gustav t&#228;tschelte ihm den borstigen Haarschopf. „Erz&#228;hl, was hast du heute erlebt?” So war es immer, wenn sich die beiden trafen. Florian berichtete von der Schule, von Freunden, erz&#228;hlte von seinen Sorgen und Problemen. So brachte er ein klein bisschen Farbe und Freude in Gustavs Leben. Und manchmal erz&#228;hlte ihm Gustav von fr&#252;her.</p>
<p>Unvermittelt sagte Florian: „Gustav, du hast mir nie erz&#228;hlt, warum du im Gef&#228;ngnis warst. Bist du ein M&#246;rder, wie die Leute sagen?”<br />
„Die Leute sagen das, und der Richter hat es auch gesagt. Lass es gut sein. Ich m&#246;chte nicht dar&#252;ber reden. Das war schlimm.”<br />
„Also, bist du ein M&#246;rder oder nicht. Ich will wissen, ob es stimmt.” Er stampfte mit dem Fu&#223;.<br />
„Nein Flori, nein!” schrie es aus ihm heraus. Erschrocken wich Florian einen Schritt zur&#252;ck. Jetzt bereute er, &#252;berhaupt gefragt zu haben. Unter keinen Umst&#228;nden wollte er die Freundschaft zu Gustav aufs Spiel setzten.</p>
<p>Gustav st&#252;lpte die M&#252;tze &#252;ber, die er solange in der Hand getragen hatte, und schaute dem Jungen ins Gesicht.<br />
„Das ist eine lange Geschichte, und ich bin nicht sicher, ob du sie kennen solltest.”<br />
„Ich bin dein Freund und Freunden erz&#228;hlt man alles.”<br />
„Stimmt, das dachte ich fr&#252;her auch. Aber manchmal darf ein Freund nicht alles wissen.”<br />
„Wie kommst du darauf? Mir kannst du alles erz&#228;hlen, ich mag dich. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass du ein M&#246;rder bist.”<br />
„Ich bin kein M&#246;rder. Das muss gen&#252;gen!” sagte er barsch. Im selben Moment bedauerte er seinen Ton, aber er wollte dem Jungen eine Last ersparen, die er unweigerlich herauf beschw&#246;ren w&#252;rde. Aber war es nicht l&#228;ngst zu sp&#228;t?<br />
„Gut, ich werde es dir erz&#228;hlen.” Er zeigte auf den Grabstein mit Erwins Namen. „Siehst du das Grab?”<br />
„Ja.”<br />
„Das war mein bester <strong>Freund</strong>. Ich hatte ihm vertraut, und er hat mich ins Gef&#228;ngnis gebracht. Ich war damals zweiundzwanzig.” Gustav strich sich &#252;ber die Augen.<br />
„Was hast du ihm erz&#228;hlt?”</p>
<p><a href="http://www.katzensolo.de/17/09/2008/zu-spaet-folge-2/" title="Zu sp&#228;t (Folge 2) in Katzensolo"><em>Fortsetzung folgt</em></a></p>
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		<item>
		<title>Tr&#228;ume werden wahr (Folge 2-Schluss)</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Aug 2008 18:58:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>vanEgk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Erstaunliches]]></category>
		<category><![CDATA[Großmutter]]></category>
		<category><![CDATA[Hände]]></category>
		<category><![CDATA[Kamillentee]]></category>
		<category><![CDATA[Katze]]></category>
		<category><![CDATA[Nachbarin]]></category>
		<category><![CDATA[Streit]]></category>
		<category><![CDATA[verändern]]></category>

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		<description><![CDATA[Was vorher geschah 
Unerwartet sagte sie: „Ich richte dir das Bett auf der Couch, und dann lass uns schlafen gehen. Du hattest einen anstrengenden Tag.”
Ich kuschelte mich in das Federbett und genoss seine W&#228;rme.

Der Nebel hatte sich verzogen, und das Mondlicht bahnte sich einen Weg durch die Gardine und fiel &#8211; auf das Bild.
Wurde ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.katzensolo.de/22/08/2008/traeume-werden-wahr-folge-1/" title="Tr&#228;ume werden wahr Folge 1 in Katzensolo"><em>Was vorher geschah</em> </a></p>
<p>Unerwartet sagte sie: „Ich richte dir das Bett auf der Couch, und dann lass uns schlafen gehen. Du hattest einen anstrengenden Tag.”<br />
Ich kuschelte mich in das Federbett und genoss seine W&#228;rme.</p>
<p><span id="more-1346"></span></p>
<p>Der Nebel hatte sich verzogen, und das Mondlicht bahnte sich einen Weg durch die Gardine und fiel &#8211; auf das Bild.</p>
<p>Wurde ich beobachtet? Eine G&#228;nsehaut jagte &#252;ber meinen R&#252;cken, und im Bauch war der Teufel los. Mir war hei&#223;. Trotzdem klapperten meine Z&#228;hne. Ein Wasserfall rauschte in meinen Ohren, und die Luft wurde knapp.</p>
<p>Mit zusammengekniffenen Augen schielte ich zum Bild. Bl&#246;dsinn!<br />
Entschlossen warf ich mich auf die andere Seite. Ich wollte schlafen.</p>
<p>Im Traum bummelte ich mit Max, meinem Terrier, &#252;ber die Dorfstra&#223;e. Frau Hetze sah aus ihrem Fenster, jung und frisch. Sie trug ein schwarz &#8211; wei&#223;es Kleid, wie es h&#228;ufig alte Frauen tragen.</p>
<p>Ich blieb stehen. Mein Schuhband war aufgegangen. W&#252;tend zerrte Max an der Leine und kl&#228;ffte. Frau Hetze starrte ihn strafend an. Max legte sich flach auf den Boden und vergrub die Schnauze unter seiner rechten Pfote.</p>
<p>„He, Max, was ist los?” Ohne die Schnauze zu heben, schielte er mich an. Das entsprach nicht dem Temperament meines Hundes.</p>
<p>Um nicht unh&#246;flich zu sein, fragte ich: „Wie geht es Ihnen, Frau Hetze?”</p>
<p>„Gut, mir geht es sehr gut”, antwortete eine jugendliche Stimme, die mich aufhorchen lie&#223;.</p>
<p>Hier ist was faul, signalisierten meine Nackenhaare. Ich ahnte nicht was. Aber ich wollte es wissen.</p>
<p>„Sie haben Sorgen, Monika”, fuhr die Stimme fort. „Sie sollten mit mir reden.”</p>
<p>Was hatte ich mit dieser Frau zu reden? Ein eiskalter Schauer erwischte mich. Aber halt! Vielleicht kam ich so einen Schritt weiter.</p>
<p>„Nein, es ist genug, wenn ich mich damit qu&#228;le.” Ich winkte geziert ab.</p>
<p>„Ich h&#246;re Ihnen gerne zu. Geteilte Sorgen sind halbe Sorgen. Kommen Sie rein!”</p>
<p>Sie verschwand vom Fenster, und im gleichen Augenblick quietschte die Haust&#252;r. Eine schwarze Katze schoss auf die Stra&#223;e. Max sprang entsetzt zur Seite. Die Katze w&#228;re sonst auf seinem R&#252;cken gelandet.</p>
<p>Das Haus roch aufdringlich nach Kamille. Am liebsten w&#228;re ich umgekehrt. Aber die Neugierde stachelte mich an.</p>
<p>„Kommen Sie, Monika. Ich br&#252;he uns eine Tasse Kamillentee.” Schon wieder Kamillentee! Egal, da musste ich durch!</p>
<p>„Gehen Sie in die Stube und setzen Sie sich. Ich bin gleich da.”</p>
<p>Das erste, was ich bemerkte, war Omas Bild, nur gr&#246;&#223;er. Mit zugezogener Gardine. Angewurzelt stand ich in der T&#252;r.</p>
<p>Max dr&#252;ckte sich &#228;ngstlich an meine Wade. Beinahe w&#228;re ich gestolpert.</p>
<p>Meine Gro&#223;mutter besa&#223; die gleiche Couchecke. Ich war verwirrt. Solche Zuf&#228;lle gab es nicht. Ich drehte mich um und h&#246;rte mich fragen: „Sie haben ein wundersch&#246;nes Bild. Darf ich es mir n&#228;her ansehen?” „Aber nat&#252;rlich, schauen Sie nur.” Mich traf der Schlag. Die Gardine war zur&#252;ckgezogen und hing zerknittert herab.</p>
<p>Das Zimmer drehte sich. Ich klammerte mich an den Sessel. Mein Kopf war ein aufgeblasener Luftballon, der im n&#228;chsten Moment zu platzen drohte.</p>
<p>Ich wusste, dass ich schlief, und dass ein Traum mich fesselte. So sehr ich mich wehrte, ich konnte nicht erwachen.</p>
<p>Max verkroch sich unter dem Tisch und winselte zum Steinerweichen. Es ging mir miserabel. Diese Frau erg&#246;tzte sich an meinem Elend und raubte mir alle Kraft. Komisch, gestern bei meiner Gro&#223;mutter f&#252;hlte ich mich &#228;hnlich.</p>
<p>Willenlos plumpste ich in den Sessel, und Frau Hetze reichte mir den Kamillentee. In einem Zug st&#252;rzte ich die Tasse herunter.</p>
<p>„Nun, was bedr&#252;ckt Sie?” Ich blickte ihr ins Gesicht. Ihre Augen waren gl&#228;sern und die schmalen Lippen fest aufeinander gepresst. Vom Geruch der Kamille gemartert, redete ich ununterbrochen, bis ich ersch&#246;pft im Sessel hing.</p>
<p>Ich sah auf meine H&#228;nde. Das waren nicht meine H&#228;nde &#8211; das waren die H&#228;nde einer alten Frau.</p>
<p>Erschrocken versteckte ich sie unter dem Tisch. In ihrer Vitrine spiegelte sich mein Gesicht. Meine Haare waren grau und das Gesicht voller Runzeln.</p>
<p>Schreiend wurde ich wach. Schwei&#223;perlen liefen mir von der Stirn. Meine H&#228;nde waren feucht und kalt. Unter meinem R&#252;cken lag verkn&#252;llt das Bettlaken, und die Zudecke war von der Couch gerutscht. Ich atmete tief durch. Ich hatte nur schlecht getr&#228;umt.</p>
<p>Mit einem fr&#246;hlichen „Guten Morgen” betrat meine Gro&#223;mutter das Wohnzimmer. In der Hand hielt sie eine dampfende Tasse Kamillentee.</p>
<p>Ich riss die Augen auf. Sie war es wirklich! So wie ich sie von uralten Fotos kannte. Nur das dunkle Kleid erinnerte an gestern.</p>
<p>Ich musterte instinktiv meine H&#228;nde. Ohnm&#228;chtig sank ich ins Kopfkissen zur&#252;ck.</p>
<p>Das waren die H&#228;nde einer alten Frau!</p>
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