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Bloß nichts überstürzen! Folge 2

30.06.08 (Kurzgeschichten)

Was vorher geschah

„Elisabeth, bitte. Lass Manfred da raus”, flehte er.
„Ich denke nicht daran. Und überhaupt, dein Umgang mit ihm passt mir nicht. Und seine Tochter,…” Edmund horchte auf. „…diese Hure. Man erzählt, dass sie die Männer reihenweise umlegt”, fuhr sie fort.
„Das ist nicht wahr”, entfuhr es ihm.
Elisabeth legte den Kopf zur Seite
„Ach, und woher willst du das wissen?”
„Ich weiß es nicht, aber sieh sie dir an. Sie…”
„Ist ja interessant. Du hast sie also angesehen und verteidigst dieses Flittchen?” Edmund wurde blass. Er war im Begriff sein sorgsam gehütetes Geheimnis zu verraten. Dieses Weib brachte ihn um den Verstand. Elisabeth schob die Augenbrauen zusammen und blickte ihren Mann lauernd an.

„Warum glotzt du so? Denkst du, ich habe nicht gemerkt, wie sie dich anhimmelt? Das ist Beweis genug, für das Gerede. Welche vernünftige Frau kommt auf den Gedanken, dich anzuhimmeln. Sieh dich bloß an!” Sie lachte. Ihre gelben Zähne blitzten, und ihr Gesicht verzog sich zur Grimasse.

Edmund kochte. Sie nutzte jede Gelegenheit ihn zu erniedrigen, ihn zu verletzen.

„Aber immerhin hast du mich geheiratet.” Den Satz hatte er wie eine Mauer in den Raum gestellt, aber wie er seine Frau kannte, schlug sie gleich ein riesiges Loch hinein.
„Erstens warst du damals eine Spur attraktiver…”
„Und zweitens, besaß ich den Juwelierladen”, unterbrach er sie ungehalten.
„Siehst du? Aber vor allem hattest du einen attraktiven Vater.” Sie verdrehte lustvoll die Augen.
„Jetzt begreife ich endlich! Du hast…”, flüsterte er. Unbewusst drehte er den Gürtel des Bademantels, der an der Tür hing, zwischen den Fingern.
„Und jetzt willst du mich umbringen, wie? Das passt zu dir. Handeln ohne nachzudenken.” Sie hielt ihre gespreizten Finger vors Gesicht. „Knast, mein Lieber, Knast. Lebenslänglich!”

Das hatte er nicht geplant. So etwas musste sich von selbst erledigen. Er ließ den Gürtel los.

„Siehst du, so gefällst du mir besser. Hol jetzt die Flasche”, forderte sie unvermittelt. Edmund wollte gehorchen, wie er es immer tat.

„Nein, bleib!” brüllte sie. „Ich muss dich etwas fragen.”
„Und?” fragte er gelangweilt.
„Was hast du für einen Ton?” brüllte sie. Edmund zuckte zusammen. Seine Augen waren aufgerissen und die Lippen zitterten. Sie nickte kurz. Das war die Aufmerksamkeit, die sie forderte.

„Sag mal, hast du die Kette verkauft, die in der linken Vitrine lag?” Inbrünstig schmierte sie teure Creme auf ihre Arme.

Oh, die Kette. Er hatte damit gerechnet, dass sie ihr Fehlen bemerken würde. Schließlich kontrollierte sie peinlich genau alle Geschäftsvorgänge. Aber dieser war ihr zunächst entgangen, weil sie bei diesem Kräuterheini war, um sich einen Spezialtee gegen Migräne mixen zu lassen, den Edmund ihr jeden Morgen ans Bett bringen musste. Brrr, das war vielleicht ein Zeug!

„Ja”, war die knappe Antwort. Er versuchte, sich dem weiteren Verhör zu entziehen. „Jetzt steh endlich still. Wer hat sie gekauft?” Wenn er ihr das verrät, fällt sie auf der Stelle tot um. Eine elegante Lösung, diese Frau los zu werden. Aber leider ohne Garantie.

„Ein älterer Herr.” Er schwindelte nicht.
„Und? Wer war es?”
„Das werde ich dir nicht verraten, meine Liebe”, dachte er, und laut sagte er: „Ich kenne ihn nur vom Sehen.”
„Hat dieses teure Stück seinem Liebchen gekauft, was?”
„Weiß ich nicht”, antwortete er gleichgültig. Dabei wusste er genau, für wen die Kette bestimmt war. Seine Theresa trug sie. Heimlich, versteht sich.
„Weißt du, was komisch ist?”
„Nein.”
„Dass sie bar bezahlt wurde. Kein Mensch trägt solche Unsummen mit sich herum. Das kann nur ein linkes Ding gewesen sein.”
„Wie meinst du das?”
„Stell dich nicht so dumm! Du weißt genau, was ich meine.”
„Nein, glaub mir. Ich weiß nicht wovon du sprichst?”
„Du bist wirklich blöd.” Sie riss die Augen auf. „Ich meine: Banküberfall, Erpressung, schwarze Geschäfte. So legt man Geld an.” Sie ruderte wild mit den Armen.
„Der Herr machte einen seriösen Eindruck.”
„So, das willst gerade du beurteilen?” Ihre Augen funkelten spöttisch.

Oh, diese Hexe! Sie konnte es nicht lassen! Immer musste sie ihn erniedrigen! Immer tat sie ihm weh!
Aber dass er sein eigener Kunde war, darauf käme sie nie, denn Elisabeth war sicher, das Geld unter Kontrolle zu haben. Aber er hatte ihr ein Schnippchen geschlagen. Vor Jahren nutzte er ihren Krankenhausaufenthalt, um sich ein heimliches Konto einzurichten, und so verfügte er ohne ihre Kontrolle über eine ansehnliche Summe.
Eilig verschwand ein Grinsen hinter seiner ernsten Miene.

„Was grinst du so?” Fortsetzung folgt

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