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Warum Taschentücher quadratisch sind

07.07.09 (Kurioses & Erstaunliches)

So richtig darüber nachgedacht hat kaum jemand. Wir nehmen es als gegeben hin und wundern uns nicht. Vielleicht ist es quadratisch, weil man es besser falten kann, wenn alle Seiten gleich lang sind?

Quadrate, Quadrate, Quadrate

Quadrate, Quadrate, Quadrate

Weit gefehlt. Der Brauch, Taschentücher quadratisch herzustellen, geht auf Marie Antoinette zurück. An den Königshöfen hatte sich eine „Taschentuchsprache“ entwickelt. Das Winken mit dem Taschentuch zum Abschied hieß, dass der Winkende dem Scheidenden treu bleibt. Wenn man das Gefühl hatte, überwacht zu werden, wurde ein Taschentuch aus dem Fenster gehangen.

Marie Antoinette

Marie Antoinette

Zu diesem Zeitpunkt hatten Taschentücher alle möglichen Formen. Sie waren rund, dreieckig oder rechteckig. Marie Antoinette gefiel diese Formenvielfalt nicht. Es wird ihr nachgesagt, dass sie ihren Mann, König Ludwig XIV., zu einem Erlass ermunterte, der vorschrieb, dass Taschentücher nur quadratisch zu sein haben. Zwar sind König und Königin auf dem Schafott gestorben, der Brauch aber hat sich erhalten.

Allgemeines zum Taschentuch

Ein Taschentuch gehört heute in jede Tasche. So war es nicht immer. Taschentücher sind heute aus Stoff, der waschbar ist oder aus Papier zum Wegwerfen. Vor allem benutzen wir Taschentücher, um uns die Nase zu putzen.

Ein Taschentuch ohne eigentliche Funktion ist das Einstecktuch, das Herren zu festlichen Anlässen in der Brusttasche ihres Sakkos tragen. Es dient nur der Dekoration. Auch von Damen wird das Einstecktuch hin und wieder in der Brusttasche von Kostüm- oder Hosenanzugsjacken verwendet.

Geschichte des Taschentuches

Die Geschichte des Taschentuches geht bis in die römische Antike. Dort gab es Schweiß- und Mundtücher, die heute als „Etikettetücher“ bezeichnet werden. Zum Putzen der Nase wurden diese nicht verwendet.
Catullus, römischer Dichter des 1. Jahrhunderts v. Chr., erwähnte erstmals Schweißtücher, die aus ägyptischem Leinen waren und in der Gewandfalte der Toga getragen wurden.

Das so genannte Mundtuch (Orarium) kam ungefähr erst ein Jahrhundert später auf. Aurelian, römischer Kaiser von 270 bis 275, machte es zur Sitte, dass hohe Persönlichkeiten und Schauspieler im Theater durch Schwenken von bunten Tüchern begrüßt wurden.

Das erste, echte Taschentuch, in der Funktion von heute, wurde vermutlich von dem Weber Baptiste Chambray aus Flandern um 1300 hergestellt. Es fand nur wenig Verwendung in dieser Zeit.

Um 1450 wurde das Taschentuch zum Luxusartikel. Es gab inzwischen Schweißtücher, Tüchlein, Nasentücher, Halstücher und Ziertücher. Ziertücher wurden am häufigsten verwendet. Sie wurden kunstvoll bestickt und in der Hand getragen. Die kostbarsten Tücher dieser Art wurden in Venedig hergestellt und hauptsächlich nach Frankreich exportiert.

Infantin Maria Theresia von Spanien

Infantin Maria Theresia von Spanien

Mitte des 15. Jahrhunderts erließ Sultan Mehmed II. Fatih im Osmanischen Reich ein Gesetz, das das Tragen von Taschentüchern in der Öffentlichkeit nur ihm und seinem engsten Stab erlaubte. Zuwiderhandlungen wurden mit Haft oder Tod bestraft.

Das Toilettetuch, das vor allem repräsentativen Zwecken diente, wurde im 16. Jahrhundert von Katharina von Medici am französischen Hof eingeführt. Sie stammte aus der florentinischen Familie der Medici und wurde durch die Hochzeit mit Heinrich II. 1547 Königin von Frankreich. Zum Naseputzen wurde das Taschentuch auch hier nicht benutzt. Man schnäuzte durch die Finger.

Katharina von Medici

Katharina von Medici

Zu diesem Zeitpunkt mit Parfüm getränkt, wurde das Taschentuch häufig als Liebespfand an die Herren verschenkt. Die Herren trugen das Tuch ihrer Angebeteten in einem Knopfloch ihrer Jacke. Dieser Brauch ist möglicherweise um 1800 in London entstanden und wird als Vorläufer der Einstecktücher der Herren vermutet.

Zur gleichen Zeit war das Ziertuch in Deutschland beim Adel eingeführt. Es wurde als „Fazinetel“ oder „Fazittlein“ betitelt. Auch hier wurde parfümiert und das Tuch bekam darum den Namen „Schnüffeltuch“. Das Schnüffeltuch war ausnahmslos den höheren Ständen vorbehalten.

Als der Schnupftabak aufkam, wurde das Ziertuch erstmals zum Säubern der Nase eingesetzt. Im 18. Jahrhundert wurde das Ziertuch in der Oberschicht für Männer so langsam zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. Allerdings hatte das Taschentuch zur Zeit der Französischen Revolution 1789 einen Nachteil. Es war ein erkennbares Symbol des Adels.

In „Dantons Tod“, einem Drama von Georg Büchner aus dem Jahr 1835, heißt es: „ Was, er schnäuzt sich nicht durch die Finger? Er hat ein Taschentuch- er muss ein Aristokrat sein. Hängt ihn auf!“

Der Taschentuchbaum

Übrigens gibt es auch einen Taschentuchbaum, von dem man nicht etwa Taschentücher ernten kann. Der Taschentuchbaum kommt aus den chinesischen Provinzen Sichuan und Hubei.

Während der Blütezeit ist der Taschentuchbaum, auch Taubenbaum genannt, voller weißer Blüten (Hochblätter), die von weitem wie Taschentücher oder wie ein Schwarm Tauben aussehen.

Der Taschentuchbaum ist ein beliebter Zierbaum, der nährstoffreiche, nicht zu trockene Böden liebt. Man kann ihn in einigen deutschen Parks und botanischen Gärten finden. Allerdings ist er nur in wärmeren Gebieten winterhart.

Quelle: Radio SAW, wikipedia

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Ein Kommentar

  • 1
    Markus:

    Gut zu wissen! Sogar das Taschentuch hat eine interessante Geschichte, das wusste ich bis jetzt gar nicht! :)

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