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Wie man sich täuschen kann! (Folge 4-Schluss)

06.06.08 (Kurzgeschichten)

Was vorher geschah

„Also Heinz, mach’s gut. Übrigens, dein Portwein war erste Sahne.”
„War mir ein Vergnügen, Stefan.” Heinz Wittler schlug dem angesprochenen kräftig auf die Schulter und fügte hinzu: „Ich habe ein geniale Idee. Ihr übernachtet bei mir und morgen überraschen wir Isabell am Frühstückstisch. Wäre das nicht lustig?”
„Lustig? Auf keinen Fall, keine Stunde in einem Haus schlafen, dass dieser Frau gehört.” Stefan ruderte ablehnend mit den Armen.
„Dieser Frau gehört? Das ich nicht lache”, blubberte die dritte der wackligen Gestalten mit schwerer Zunge. „Ich habe sie geliebt, wirklich. Und ich habe ihr geglaubt, aber so verlogen und ohne Geld? Das ist selbst mir zu viel.” Er schüttelte den Kopf. Nur mühsam konnte er sich auf den Beinen halten.

Marie wurde neugierig. Sie bog einen Zweig zur Seite und erkannte Isabells Geliebten aus dem Parkhaus.

Wittler legte ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter.
„Siehst du Michael…”

Michael? Wieso Michael? Das war Stefan! Marie richtete sich auf. Die wackelnden Zweige des Flieders hätten sie verraten, wenn die drei Herren im vollen Besitz ihrer Fähigkeiten gewesen wären. So aber wurde sie nicht bemerkt.

„… Gut dass du dich überwunden hast meiner Einladung zu folgen. Stell dir vor, du hättest zu spät erfahren, dass sie nach der Scheidung arm wie eine Kirchenmaus ist und außerdem noch einen Liebhaber hat! Nicht auszudenken!” Wittlers Lachen dröhnte durch die Nacht.
„Es war sicher ein Schock für dich, als du auf den Fotos statt Stefan mich entdeckt hast”, lallte Michael.
„Ach, von Schock kann keine Rede sein.” Er grinste.
„Nein? Mich hätte so etwas umgebracht.”
„Ich habe gelacht. Ich habe so laut gelacht, dass die kleine Privatdetektivin sicher an meinem Verstand gezweifelt hat.”
„Gelacht? Wieso gelacht?”
„Mit Stefan betrog sie mich schon lange. Das wusste ich. Ich brauchte Beweise. Jetzt habe ich Beweise. Sogar dafür, dass sie auch ihn betrog. Und ich habe dafür gesorgt, dass wir uns kennen lernten. Amüsant, nicht?”
„Was heißt hier amüsant?” Schmollend malte Stefan mit der Schuhspitze Kreise in den Staub.
„Strafe muss sein.” Heinz lachte. „Aber jetzt haben wir alles im Griff. Es bleibt dabei: Wir trennen uns von Isabell. Soll sie sehen, wie sie ohne uns zu Recht kommt. Seht, da kommt euer Taxi.” Er wies mit der Hand zum Tor.

Als Michael und Stefan mit dem Taxi davon brausten, kam Marie aus ihrem Versteckt.
„Frau Brandt, was tun Sie hier?” Leicht schwankend stand Wittler vor Marie.
„Ja, das ist schwer zu erklären.”
„Versuchen Sie es einfach. Kommen Sie auf ein Glas Portwein, hier ist es kalt.”

Marie wärmte sich beim Portwein und erzählte. Tosendes Gelächter erfüllte nach ihrem Bericht das ganze Haus.

„Wie dumm von meiner Frau so etwas zu glauben. Wir Männer sind doch nicht blöd. Wegen einer Frau gegenseitig umbringen? Das würde wirklich zu weit führen. Übrigens, wo ist meine Frau?”
Marie hatte Isabell im Auto fast vergessen.
„Sie sitzt in ihrem Auto vor der Garage und wartet auf mich. Sie war völlig aufgelöst vor Angst und hat gezittert, die Ärmste.”
„Die Ärmste”, sagte er gespielt mitleidig. „Wissen Sie was? Ich bestelle Ihnen ein Taxi, und dann werde ich mit meiner Frau reden.”
„Aber, soll ich nicht lieber…”
„Nein, keine Angst. Ich tue ihr nichts. Sie können unbesorgt sein. Ich will die nächsten Jahre nicht im Knast verbringen, sondern mit meiner Freundin Sophie in der Provence. Endlich ist der Weg frei.” Er breitete die Arme aus, als wollte er die ganze Welt umarmen.
„Wieso der Weg frei? Sie hätten sich scheiden lassen können.”

Er stimmte sein tosendes Gelächter an. Marie hörte die Gläser in der Vitrine klirren und fürchtete um die Fensterscheiben. Die halb heruntergebrannte Kerze auf dem Tisch flackerte.
„So einfach wäre es nicht. Mein Vater hatte einen Narren an Isabell gefressen. In seinem Testament bestimmte er, dass mir seine gut gehende Schuhfabrik nur so lange gehört, wie ich mit Isabell verheiratet bin. Es sei denn, ich lasse mich scheiden, weil sie mich betrügt. Dann ist die Fabrik unwiderruflich mein, und Isabell geht leer aus.”

Marie war der Portwein zu Kopf gestiegen. Sie hatte rote Ohren, die wie Signallampen durch ihr Haar schimmerten.

Als sie im Taxi saß, dachte sie an ihr Honorar, das den Bach hinuntergegangen war. Sie hätte wenigstens einen Vorschuss verlangen sollen! Denn wie bezahlt eine arme Frau ihre Rechnung? Gar nicht, da kannte sie sich aus. Schluss

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Ein Kommentar

  • 1
    Dani:

    Hallo!

    Ich nutze diese Gelegenheit mal um zu sagen, dass die Seite sehr gut gelungen ist und die Short Stories sehr spannend und ansprechend sind. Habe sie mit großer Begeisterung gelesen und warte auf mehr………..

    Liebe Grüße aus dem sonnigen Frankfurt

    Dani

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