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    Katzen (Schluss)

    05.12.09 (Kurzgeschichten)

    Was vorher geschah

    Ruckartig erhob sich Stefan und postierte sich vors Fenster. Es blitzte und donnerte ununterbrochen, aber es regnete nicht mehr. Kühle Luft strömte ins Wohnzimmer, das nur spärlich von der Stehlampe erleuchtet wurde.
    Karin bekam keine Ordnung in ihre Gedanken. Sie tanzten in ihrem Kopf wie Mücken über dem Wasser.
    Plötzlich fuhr sie zusammen. Sie bekam feuchte Hände, und Schweiß stand auf ihrer Stirn. Was ihr eingefallen war, war unglaublich. Aber je mehr sie darüber nachdachte, desto sicherer war sie, dass es stimmte.
    „Stefan”, begann sie leise, „da war noch der Kronleuchter.” „Welcher Kronleuchter?” fragte er ohne sich umzudrehen. Eine Antwort war überflüssig. Er wusste sofort, was sie damit andeuten wollte.
    „Der runter fiel und beinahe deinen Großvater erschlagen hätte.”
    Stefan winkte ab. „Der war nicht richtig befestigt.”
    „Der wäre nie runtergekommen, wenn Franz ihn nicht als Schaukel benutzt hätte.” Karin stand auf und ging auf ihren Sohn zu. Sie packte ihn bei den Schultern und sah ihn an. Stefan senkte die Augen.
    „Sieh mich an, du weißt, wovon ich rede.”
    „Nein”, log er.
    „Doch, du weißt es. Großvater hat gesehen, wie Franz…” Sie hielt inne und strich sich nervös eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „… Großvater hat gesehen, wie Franz von der Mikrowelle sprang.”
    „Aber Großvater hat den Kronleuchter überlebt. Deine absurde Theorie stimmt nicht.” In seinen Augen stand Triumph.
    „Ja”, sagte sie kleinlaut und nickte.
    „Aber…”
    „Komm jetzt nicht mit den abgefressenen Lieblingsnelken von Großmutter! Die hat übrigens dein Haro abgefressen. Schon vergessen?” Seine Augen funkelten.
    „Nein, aber solche Sachen tat er erst, als Franz bei uns eingezogen war.”
    „Vor allem machte er einen Riesenspektakel, wenn Franz in seine Nähe kam. Er ließ sich nicht mal von dir beruhigen.”
    „Haro schien Gründe zu haben.”
    „Haro schien Gründe zu haben”, äffte er seine Mutter nach. „So ein Unfug.”
    Karin war sicher: das war kein Unfug. Franz hatte jeden gebührend bestraft, der ihm feindselig gegenüber stand. Nur sie war glimpflich davon gekommen.

    Das jämmerliche Klagen der Katze war näher gekommen.
    „Hörst du? Da weint eine Katze. Lass uns nachsehen.”
    „Das fehlte gerade noch.”
    Stefan hatte ihren Einwand einfach überhört und beugte sich aus dem Fenster.
    „Da ist sie”, schrie er. „Sie sitzt unter unserem Fenster, eine ganz kleine. Schau nur wie süß sie ist.” Karin rührte sich nicht.
    „Stefan, das Tier bleibt draußen! Außerdem wird sie jemand vermissen.”
    Plötzlich sprang eine graue Katze aufs Fensterbrett.
    Stefan streichelte das blanke Fell. Die Katze begann zu schnurren und rekelte sich unter seinen Händen. „Du bist wohl eine ganz Schlaue? Du bist nicht mal nass. Hast dich gut versteckt, was?”
    Karin stand auf und wedelte mit den Armen. „Husch, verschwinde. Ich habe genug von unvorhersehbaren Katastrophen.” Die Katze ließ sich nicht beeindrucken und schmuste mit ihrem Sohn.
    „Mutsch, bitte? Darf sie bleiben? Bitte, Mutsch!” flehte Stefan seine Mutter an. Er drückte das graue Wollknäuel an seine Brust und vergrub seine Nase im Fell.
    Sie liebte ihn mehr, als sie Katzen hasste. Und bestimmt waren die seltsamen Vorfälle nur in ihrer Phantasie zu einem Desaster zusammen geflossen.
    Sie gab sich einen Ruck und sagte: „Gut, aber Morgen kümmerst du dich darum, wer sie vermisst.” Wohl war ihr nicht. Hätte sie nur auf sich gehört! Warum tat sie es nicht? Sie hätte ahnen müssen, dass niemand diese Katze vermisst.

    „Also, mein Sohn, wie willst du ihn bis Morgen nennen?” fragte Karin.
    „Natürlich Franz”, sagte Stefan und schmunzelte.
    „Um Himmels Willen, keinen Franz mehr”, protestierte Karin. Stefan lachte.

    Sie hatten sich gemütlich auf der Couch niedergelassen. Das Gewitter war abgezogen. Hin und wieder sahen sie Wetterleuchten am Horizont. Im Radio spielte leise Musik.
    Franz Nummer zwei hatte einen kugelrunden, satten Bauch und polierte sein Fell.
    Plötzlich hielt er inne und starrte Karin an. Ein eiskalter Schauer lief über ihren Rücken. Ihr Hals war wie zugeschnürt und ihre Hände zitterten. Diese Augen! Seit Franz verschwand, verfolgten sie diese Augen sogar im Schlaf.
    War diese Katze gekommen, um eine längst fällige Rechnung zu begleichen? Schließlich haben Katzen sieben Leben.
    Unsinn! Sie schüttelte den Kopf. Soetwas passiert nur im Märchen.

    Hätte sie sich nur umgedreht! Hätte sie nur einen kurzen Blick auf ihr Aquarium riskiert, in dem ihr friedlicher Goldfisch gerade genüßlich all ihre Neonsalmer verspeiste!
    Sie hätte ihre Frage selbst beantworten können.

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    Ein Kommentar

    • 1
      Flug Bangkok:

      Das ist wirklich eine sehr schöne Kurzgeschichte! Sehr schön geschrieben und gut zu lesen. Und vorallem mit einer Katze als Hauptrolle, so etwas mag ich besonders! Liebe Grüße

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