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Warum uns Seife sauber macht

04.06.09 (Kurioses & Erstaunliches)

Die Sumerer hatten erkannt, dass Pottasche mit Ölen vermengt, besondere Eigenschaften hat. Sie schufen die Basis für eine Seife. Da hatten sie aber nicht den reinigenden Effekt entdeckt, sondern verwendeten die Urform der Seife als Heilmittel bei Verletzungen.

Später übernahmen die Ägypter und die Griechen die Anleitung zur Herstellung von Seife, immer noch als Heilmittel. Die Römer erst erkannten die reinigende Wirkung dieses Gemisches, wobei sie nicht gleich begeistert waren. Damals reinigte man sich mit Bimsstein und Seife galt als Mittel zur Verweichlichung der Menschen.

Erst im 7. Jahrhundert kochten die Araber Seife. Sie verwendeten Öl und Lauge. Heraus kam die Seife in ihrer heute bekannten Form. Diese Erkenntnisse verbreiteten sich rasend schnell über Europa. Spanien und Frankreich wurden zu Zentren der Seifenherstellung.

Im Mittelalter war der Besuch eines Badehauses äußerst beliebt, nicht nur zur Körperreinigung. Badehäuser waren Zentren, in denen häufig politische und wirtschaftliche Weichen gestellt wurden. Attentate wurden geplant und auch hier ausgeführt, Geschäfte abgeschlossen und kommuniziert.

Der Ausbruch der Pest und der Cholera brachten das Aus der Badehäuser, da man den Übertragungsweg der Krankheit nicht kannte und annahm, sie habe mit dem Badewasser zu tun, das den Körper für die Erreger öffnet. Waschen verboten! Ratten waren die Ursache der Epidemien. Die Seife war in Verruf geraten.

Besonders in Adelskreisen setzte man dann auf Trockenreinigung und verwendete statt Seife Puder und Parfüm. Niemand heute mag sich vorstellen, was für Duftnoten entstanden waren. Läuse und Flöhe fühleten sich wohl und breiteten sich aus. Die Menschen wurden krank.

Bis zum 17. Jahrhundert gingen die Ärzte davon aus, das Wasser und Luft dem Körper schadet. Nur Kleidung bot einen gewissen Schutz. Das Einpudern sollte den Körper nach außen gegen die schädlichen Elemente abschirmen. Körperschweiß, der durch die spärliche Unterwäsche aufgenommen wurde, galt als Reinigung des Körper.

Wenn ich mir das nur vorstelle, juckt es überall. Ludwig XIV. sorgte im 17. Jahrhundert für ein Aufleben der Seifenproduktion. Er holte die besten Seifensieder nach Versailles. 1688 erließ er das noch heute gültige Reinheitsgebot für Seife (gibt es also nicht nur für Bier). Hochwertige Seife enthalten nach diesem Gebot mindestens 72 % reines Öl.

Aber warum brauchen wir Seife, um uns und unsere Kleidung richtig reinigen zu können? Tut es nicht Wasser allein auch?. Nein, ist die eindeutige Antwort.

Wasser hat eine bestimmte Oberflächenspannung, die eine echte, reinigende Wirkung nicht zulässt. Die Seife verringert die Oberflächenspannung, macht das Wasser noch “flüssiger”, so dass das Wasser deutlich besser mit Oberflächen in Verbindung treten kann.

Seifenmoleküle bestehen aus einem wasserabweisenden (unpolar) und einem wasseranziehenden (polar) Teil. Im Wasser lösen sich die Seifenmoleküle nicht wirklich, sondern bilden die sogenannten Mizellen. Im Kern der Mizellen befinden sich die wasserabweisenden Teile der Seife und die wasseranziehenden ragen ins Wasser direkt hinein.

Der wasserabweisende Teil der Seifenmoleküle lösen sich leicht in kleinen Fetttropfen. Die Seifenmoleküle schließen den Fetttropfen letztendlich vollständig ein und lösen ihn von der zu reinigenden Fläche. Durch mechanische Bewegung und Abspülen mit frischen Wasser ist die Reinigung beendet.

Seife in fett

Seifenmoleküle an einem Fetttropfen

In manchen Gegenden gibt es hartes Wasser, Wasser mit einem hohen Anteil an Calcium- und Magnesiumionen. Diese Ionen blockieren die polaren Teile und eine Waschwirkung der Seife kommt nicht zustande. Es bilden sich Kalkseifen, die in Wasser unlöslich sind.

Übrigens: Weltweit werden 9 Millionen Tonnen Seife produziert, in Deutschland verbrauchen wir allein davon 120.000 Tonnen. Der Chemiker Justus Liebig sagte im 19. Jahrhundert, dass sich der Reichtum eines Landes an seinem Seifenverbrauch ablesen lasse.

Seife lässt sich selbst herstellen. Dazu gibt es verschiedene Methoden, angefangen beim Umschmelzen und Umformen von Glycerinseife bis hin zur perfekt gekochten Seife. Die allerdings ist nicht ganz einfach herzustellen, aber ungeheuer kreativ. Es lassen sich äußerst ansprechende Geschenke gestalten und der Eigenverbrauch ist nicht zu verachten. Allerdings werden diese “echten” Seifen mit Hilfe von Natronlauge hergestellt. Wer Interesse an einem super kreativen Hobby hat, kann gleich beginnen, mit Informieren, denn ganz ohne die Beachtung von Sicherheitstipps, geht es nicht.

Quelle: wikipedia.de

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