Logo
  • Suche

  • Werbung



Wie man sich täuschen kann! (Folge 3)

03.06.08 (Kurzgeschichten)

Was vorher geschah

Prometheus blickte sein Frauchen erwartungsvoll an. Er war begierig darauf zu folgen.
Mit einem Blick auf ihren Collie sagte Marie: „Du bleibst hier. Du hast Telefondienst und bewachst das Büro. Und dass ich dich nicht wieder beim Schlafen ertappe.” Sie drohte mit dem Finger.

Der silbergraue Mercedes lag weich auf der Straße. Häuser und Bäume blitzen im Scheinwerferlicht auf, um gleich darauf in der Dunkelheit zu verschwinden.
Als sie die Stadt hinter sich gelassen hatten, begann Isabell ohne Umschweife zu berichten.
„Ich habe einen Geliebten. Schon seit vielen Jahren. Anfang voriger Woche kam Heinz, das ist mein Mann, nach einer längeren Geschäftsreise aus Frankreich zurück. Ich hatte mich auf ihn gefreut. Und er? Er warf mir mein Verhältnis mit Stefan vor. Wie er das nur erfahren hat?”
Umständlich fummelte Isabell ein Blümchentaschentuch aus ihrer Manteltasche und wischte sich über die feuchten Augen.

Dann redete sie weiter.
„Angeblich hat er Beweise. Kann ich mir nicht vorstellen! Wir waren immer sehr vorsichtig und haben nichts riskiert.” Marie nickte unmerklich mit dem Kopf. Das wusste sie nur zu genau.
„Und heute Morgen eröffnete er mir, dass ich am Abend allein in die Oper fahren werde. Als ich ihn nach dem Grund fragte, hüllte er sich in Schweigen. Kein Wort wollte er mir verraten. Aber ich kann überzeugend sein.” Isabell nickte wild mit dem Kopf. „So erfuhr ich, dass er einen Geschäftspartner zum Abendessen in unser Haus eingeladen hat. Sonst musste ich immer dabei sein. Dieses Mal aber nicht. Ich ließ nicht locker, bis er mir verriet, dass er Stefan eingeladen hat. Ausgerechnet meinen Stefan, der mit solchen Geschäften nie zu tun hat. Können Sie sich vorstellen, wie entsetzt ich war?” Eine tiefe Sorgenfalte hatte sich bei den letzten Worten in ihre Stirn gegraben. Marie schwieg und starrte auf die eilig vorbei huschenden Bäume.

„Als ich nach der Oper den Wagen vor der Garage parkte, habe ich brüllende Männerstimmen durch die offene Terrassentür gehört. Grausig, kann ich Ihnen sagen, grausig.” Fassungslos schüttelte Isabell den Kopf. Sie zitterte.
Marie fürchtete bei dieser Reisegeschwindigkeit mit einer unaufmerksamen Fahrerin um Leib und Leben. Aber Isabell schien alles im Griff zu haben.

„Wie kamen Sie gerade auf mich?” ergriff Marie kurze Zeit später das Wort. „Eigenartig, nicht? Ich hatte vor längerer Zeit in der Manteltasche meines Mannes die Visitenkarte eines Privatdetektivs mit Namen Adolf Brandt gefunden, was an und für sich nichts Ungewöhnliches ist. Ich weiß nicht warum, aber dieser Name fraß sich in meinem Kopf fest.”

Inzwischen hatten sie die Einfahrt zur Wittler – Villa erreicht. Isabell öffnete mit der Fernbedienung das Tor. Staub wirbelte hoch als sie das Auto vor der Garage, die hinter Lebensbäumen versteckt war, zum Stehen brachte.
„Und Sie warten hier”, befahl Marie. Ohne Widerspruch zu erwarten, sprang sie aus dem Auto und stürzte zur Eingangstür. Sie atmete tief durch. Diese überdimensionale Pistole war wirklich etwas unhandlich. Aber Vater hatte auf sie vertraut, und das tat sie auch. Sie hatte sowieso nicht vor, sie zu benutzen.

Lautes Gelächter drang an ihr Ohr. Das hörte sich nicht nach Streit an. Eher nach einem amüsanten Männerabend. Dieses dröhnende Gelächter gehörte Wittler, ihrem damaligen Auftraggeber. Ein Irrtum war ausgeschlossen.
Plötzlich wurde die Haustür aufgerissen. Drei wacklige Gestalten erschienen in der Tür. Sie stützten sich gegenseitig. Marie nahm Deckung hinter dem Fliederbusch dicht an der Tür. Sie lauschte. Fortsetzung folgt

Das könnte Sie auch interessieren!

Marinade mit Joghurt

Wie man sich täuschen kann! (Folge 2)

Wie man sich täuschen kann! (Folge 4-Schluss)

Kuss lässt Trommelfell platzen

Ohne Worte (Folge 4)

Vertauschte Rollen – Eine Weihnachtsgeschichte (Folge 2)

Achtung: Fußball-EM kann Herzinfarkt auslösen

Wie man sich täuschen kann! (Folge 1)

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>